Lieferkettengesetz
Noch nicht verabschiedet und schon überholt

Das EU-Parlament und engagierte Unternehmen stellen den von Wirtschaftsminister Peter Altmeier (CDU) verwässerten Entwurf eines Lieferkettengesetzes in den Schatten, noch bevor der Bundestag darüber beschließt.

Kinderarbeit in Kambodcha: EU-Staaten sollen kleinen und mittelgroßen Unternehmen helfen, damit sie ihre Zulieferer auf die Einhaltung ökololgischer und sozialer Standards kontrollieren (Foto: Marcel Gnauk / pixabay)

Antje von Dewitz, die Chefin des baden-württembergischen Outdoor-Bekleidungshersteller Vaude, ging hart ins Gericht mit dem geplanten Lieferkettengesetz der Bundesregierung: Zu viele Unternehmen würden von der Verantwortung verschont, wenn ihre Zulieferer gegen ökologische und soziale Standards verstoßen. Ausgerechnet die mitteständisch geprägte deutsche Textil- und Bekleidungsbranche, in der es große Probleme gebe, falle überhaupt nicht unter das Gesetz.

Neues Siegel bei Lebensmitteln soll Manko wettmachen

Die Unternehmerin ist nicht die einzige ihrer Zunft, die deswegen in Eigenregie für die Einhaltung ökologischer und sozialer Standards bei den Zulieferern sorgt. Um über die lauen Vorschriften des neuen Gesetzes hinauszugehen, hat das Forschungsinstitutes für biologischen Landbau ein eigenes Lieferketten-Label namenes „We Care“ aufgelegt. Dem können sich Lebensmittelimporteure, -verarbeiter und -herstellen sowie Groß- und Einzelhändler freiwillig unterwerfen. Vom Anbau bis zum fertigen Produkt muss ein We-Care-zertifiziertes Unternehmen insgesamt 164 ökologische sowie soziale Kriterien bei sich und den Zulieferern einhalten. Kritisch wird es beispielsweise für die Importeure von Avacados, die viel Wasser benötigen und wegen des Anbaus in Trockenregionen wie in Teilen Chiles in Verruf stehen.

EU-Abgeordnete gegen Beschränkung auf Großunternehmer

Gleichzeitig hat das EU-Parlament jetzt mit 504 von 695 Stimmen Leitlinien für ein europaweit gültiges Lieferkettengesetz gefasst, die weit über den deutschen Entwurf hinausgeht. Die Abgeordneten sind inbesondere dagegen, dass in Deutschland am Ende bestenfalls 2900 Unternehmen Verantwortung dafür übernehmen sollen, wenn ihre Lieferanten in armen Regionen die Umwelt schädigen und die Beschäftigten mies behandeln. Aus diesem Grund fordert das EU-Parlament, die Regierungen der Mitgliedsstaaten sollten kleinere und mittelgroße Unternehmen nicht aus ihrer Verantwortung entlassen, sondern sie bei der Kontrolle ihrer Lieferanten unterstützen.

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