Grüner Punkt
Hässlicher Müllprofiteur mit grünem Anstrich

Einst Symbol für Mülltrennung und Recycling, entwickelt sich der Grüne Punkt immer mehr zum Bremsklotz auf dem Weg zu weniger Müll, zeigen Recherchen des Journalisten-Netzwerks Correctiv etwa in Brüssel und Tschechien.

Verpackungsmüll in der Landschaft: Kritik an monopolartiger Stellung des Grünen Punktes (Foto: Markus Distelrath / pixabay)

In Deutschlands Nachbarländern und auf EU-Ebene sorgt der Grüne Punkt für Unmut. Das Unternehmen mit Sitz in Köln, das hier zu Lande das Einsammeln für Verpackungsmüll repräsentiert, steht andernorts vor allem für Ausbau der Marktmacht, Monopolbildung und Verhinderung von Abfallvermeidung. Das zeigen Recherchen des Journalistennetzwerks Correctiv.

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Lobbymacht in der EU

So unterhalten der Grüne Punkt und seine Teilhaber – Verpackungshersteller und Lebensmittelindustrie – seit 2013 in Brüssel die Lobbyorganisation Expra. Diese gab zwischen 2015 und 2019 laut dem Transparenzindex der Organisation Lobbyfacts bis zu 1,5 Millionen Euro aus, um die Politik der EU etwa auf den Feldern Kreislaufwirtschaft und Einwegplastikrichtlinie zu beeinflussen – gegen Pfandsysteme. In einem Brief an die Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission aus dem Jahr 2017 schrieb Expra zum Beispiel: „Wir möchten auch unsere Bedenken hinsichtlich einer ausdrücklichen Empfehlung von Pfandsystemen (…) zum Ausdruck bringen.“ Gegenüber Correctiv wollte sich Expra dazu nicht äußern.

Staatliche Unterstützung für Monopolstellung

In Tschechien kann sich der Grüne Punkt darauf verlassen, dass die Regierung ihn vor Konkurrenz schützt. So wollte Interseroh, eine Tochter des Berliner Abfallkonzerns Alba, an der Moldau gegen den Grünen Punkt antreten, holte sich aber eine Absage von höchster Stelle. „Das Umweltministerium ist der Überzeugung, dass ein Monopol bei der Verpackungssammlung der beste Weg für Tschechien sei“, schrieb Alba auf Anfrage von Correctiv. „Wir teilen diese Auffassung nicht, haben sie aber zu respektieren.“

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