Plug-in-Hybride
Schlechte Aussichten für Plug-in-Bluffer

Plug-in-Hybride fahren viel weniger elektrisch, als die Abgas-Messvorschriften unterstellen. Dadurch ist ihr CO2-Ausstoß in der Realität enorm. Doch lange wird die EU die Mogelei wohl nicht mehr hinnehmen.

Privilegierte Abgasmessung: Plug-in-Hybrid S560 von Mercedes mit 367-PS-Benzinmotor (Foto: Mercedes)

Auf dem Papier scheint der Mercedes S56o Hybrid ein klimafreundliches Auto. Pro Kilometer, behauptet Hersteller Daimler, stoße die Limousine mit ihrem 367 PS starken Benzinmotor nur 57 bis 59 Gramm CO2 aus, kaum mehr als die Hälfte der 95 Gramm, die die EU neuerdings für die Fahrzeugflotten der Autobauer vorschreibt. Grund für die niedrigen Werte ist die Methode, nach der die Schwaben den Co2-Ausstoß berechnen. Denn dazu dürfen sie annehmen, dass die Besitzer des S560 das Auto zu 70 Prozent elektrisch nutzen. Diesen sogenannte Nutzungsfaktor erlauben die EU-Vorgaben bei der Berechnung des Co2-Ausstoßes von Plug-in-Hybriden, also Autos mit Elektro- und Verbrennungsmotor.

Weltfremde Annahme zu Lasten des Klimas

Doch mit der Realität hat die angenommene 70-prozentige Nutzung des Elektromotors diversen Studien zufolge so wenig zu tun wie die Pferdekutsche mit dem Rennauto. Ihnen zufolge fahren Privatleute mit ihrem Plug-in-Hybrid nämlich im Schnitt nur zu 43 Prozent, Dienstwagenbenutzer sogar nur zu 18 Prozent elektisch. Das heißt, der CO2-Ausstoß ist in der Praxis vielfach so groß wie auf dem Papier, nicht zuletzt auch weil viele der Plug-in-Hybride ähnlich schwere Brummer wie der Mercedes S560 sind. Realisten in den Autokonzernen glauben deshalb, dass die EU-Kommission dem Bluff ein Ende bereiten wird. „Man muss schon mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn man meint, dass die EU-Regulierung den Nutzungsfaktor nicht anpackt“, sagte ein hochrangiger Branchenlobbyist dem „Tagesspiegel“. Und ein VW-Sprecher räumte ein: „Für eine Diskussion der Nutzungsfaktoren erwarten wir gegenüber heute deutlich veränderte Fahrdaten.“

Ende des Privilegs

Möglicherweise wird EU-Kommissar Frans Timmermans das Thema demnächst auf die Tagesordnung bringen. Der Niederländer kündigte bereits an, die geplante Reduzierung des zulässigen Flottenverbrauchs 2021 bis 2030 im Schnitt um 37,5 Prozent zu verschärfen. Dabei dürfte das Privileg für die Plug-in-Hybride fallen.

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