Strom-Netzentwicklungsplan
Konzerne drücken sich um klare CO2-Minderung

Die vier Betreiber der Fernübertragungsnetze für Strom in Deutschland haben einen schwammigen Ausbauplan bis 2040 vorgelegt, der viel mehr CO2-Ausstoß zuzulassen droht als von der Bundesregierung vorgegeben.

Fehlgeleitet: Unspezifierte Planung der Netzbetreiber (Foto: analogicus / pixabay)

Kaum einer kennt sie beim Namen. Sie heißen 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW und sorgen dafür, dass Strom quer durch Deutschland fließt. 50Hertz ist für Ostdeutschland sowie Hamburg zuständig und gehört zu 80 Prozent dem belgischen Netzbetreiber Elia sowie über die bundeseigene KfW-Bank zu 20 Prozent dem deutschen Staat. Eigentümer von Amprion, verantwortlich für Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Bayrisch-Schwaben, sind der Essener Stromkonzern RWE (25 Prozent) und der Düsseldorfer Finanzinvestor M31 (75 Prozent). Trasnet BW ist eine Tochter des landeseigenen baden-württembergischen Stromkonzerns EnBW und umspannt das Ländle. TenneT ist im Besitz des niederländischen Staates und für den Rest Deutschlands zuständig.

Vage Formulierungen

Das Quartett wird immer wichtiger, weil es vor allem sicher stellen muss, dass die wachsenden Mengen an Wind- und Solarstrom überall in Deutschland ankommen – also die Energiewende gelingt. Doch es gibt Zweifel, ob die Konzerne, deren Kapitalverzinsung von der Bundesregierung über die Bundesnetzagentur mehr oder wenig garantiert wird, dieser Aufgabe im erforderlichen Maß nachkommen.

Denn der neue Netzentwicklungsplan, den die Vier für die Jahre bis 2040 vorgelegt haben, ist in einigen Punkten so vage formuliert, dass der CO2-Ausstoß deutlich höher auszufallen droht als von der Bundesregierung. Zu diesem Ergebnis kommt das Freiburger Öko-Institut in einer Analyse des Entwurfs der Konzerne. Zwar legen diese ihrem Plan für Deutschland die Emission von 60 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2040 zu Grunde, faktisch laufe die Prognose jedoch auf 84 Millionen Tonnen hinaus – Mehremissionen von 24 Millionen Tonnen.

Verstoß gegen Klimaziele der Bundesregierung

Das Öko-Institut kommt zu seiner Schlussfolgerung, weil die Netzbetreiber zum Ausgleich dieser Mehremissionen einen Bedarf an CO2-neutralem Brennstoff in entsprechender Höhe ausweisen. Doch würden sie nicht sagen, was dies für ein Brennstoff sein solle, etwas Wasserstoff oder Biomasse. Und sie würden auch keine Angaben dazu machen, woher dieser Brennstoff herkomme, aus dem In- oder dem Ausland. Theoretisch könnte die Mehremission an CO2 auch unterirdisch gespeichert werde, aber auch dazu schweige sich der Plan aus. Entsprechend vernichtend fällt das Urteil des Öko-Instituts aus. Weder würden die Verfügbarkeit des erforderlichen CO2-neutralen Brennstoffs sichergestellt, noch die damit verbundenen etwaigen Nutzungskonflikte berücksichtigt. „Insofern muss das Szenario so interpretiert werden, dass es die Klimaschutzziele der Bundesregierung nicht einhält“, so Senior Researcher Franziska Flachsbarth.

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