Bankenskandal
Banken schaufeln „schockierende“ 3,8 Billionen US-Dollar in die Nutzung fossiler Brennstoffe

Obwohl die Klimakrise sich zuspitzt, finanzieren die Großbanken Öl-, Gas- und Kohlekonzerne weiter mit gigantischen Summen, als gäbe es kein Morgen. Im Vergleich dazu fallen Investitionen in erneuerbare Energie nach wie vor bescheiden aus. Chancen für Anleger.

Verrauchter Himmel über Kraftwerk
Hauptsache die Kohle stimmt Banken finanzieren weiter im großen Stil fossile Brennstoffe
Foto: SD-Pictures on Pixabay

Eigentlich hat sich die Welt bei den Pariser Klimaverhandlungen 2015 darauf verständigt, den Temperaturanstieg auf höchsten zwei Grad Celsius zu begrenzen, damit uns der Planet nicht um die Ohren fliegt. Ein zentraler Baustein wäre, keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu errichten, das Gas-Fracking einzustellen und Minen zu schließen. Doch das Gegenteil ist der Fall – und die Finanzindustrie stellt entgegen ihrer Lippenbekenntnisse weiter jede Menge Geld für Exploration und Verbrennung fossiler Brennstoffe bereit.

Größter Übeltäter ist JPMorgan Chase

Mit 3,8 Billionen US-Dollar unterstützten die 60 weltgrößten Banken seither die weitere Verschmutzung der Erde. Das enthüllt ein aktueller Report eines globalen Umweltbündnisses, über den unter anderen der britische „Guardian“ berichtet. Die Autoren nennen das Verhalten und die Zahlen „schockierend“ und stellen unter der Überschrift „Das dreckige Dutzend“ die schlimmsten Sünder an den Pranger (siehe Übersicht unten).

Die Liste der Übeltäter führt mit großen Abstand das US-Geldhaus JPMorgan Chase an, gefolgt von drei weiteren US-Banken: Citi, Wells Fargo und Bank of America. Mit Barclays und PNB Paribas schneiden auch zwei europäische Institute unrühmlich ab.

Halbgare Bekenntnisse zur Klimaneutralität

17 der 60 Banken posaunen den Klimaorganisationen zufolge in die Öffentlichkeit, sie wollten bis 2050 klimaneutral sein. Die Aktivisten rüffeln die Versprechen als „gefährlich schwach, halbgar und vage“. Alison Kirsch vom Rainforest Action Network und einer der Autoren des Reports findet klare Worte: „Keine der Banken hat einen echten Ausstiegsplan.“

Mark Campanale vom Thinktank Carbon Tracker fordert die Regierungen weltweit auf, aus der Ignoranz der Finanzindustrie Konsequenzen zu ziehen. “ Die Kosten der weiteren Nutzung fossiler Energieträger in Form von extremem Wetter, Todesopfern und Verlust der Lebensgrundlage tragen weder die Banken noch die Konzerne, sondern die Gesellschaft“, sagt er. „Wenn sie beim nächsten Finanzcrash wieder mit Steuergeld gerettet werden wollen, sollten sie nicht überrascht sein, dass dies abgelehnt wird.“

Immerhin fließt auch mehr Geld in nachhaltige Vermögenswerte

Der angeblich „tektonischen Wandel“ hin zu klima- und umweltfreundlichen Investitionen, den jüngst Blackrock-Manager Larry Fink beschwor, Chef des größten Vermögensverwalter der Welt, ist gemessen an der Verschmutzungsfinanzierung erst in Spuren zu erahnen. Von Januar bis November vergangenen Jahres flossen seinen Angaben zufolge 288 Milliarden US-Dollar in nachhaltige Vermögenswerte – immerhin fast doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum 2019.

Entwickelt sich die Finanzierung umweltverträglicher Investitionen also zu einer Chance für private wie institutionelle Geldanleger?

Kursfeuerwerk bei Wind- und Solaraktien

Christoph Keidel, Manager des Global Warming-Fonds der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ist überzeugt davon. Er setzt dabei unter anderem auf US-Präsident Joe Biden und sein Zwei-Billionen-Dollar-Programm, mit dem er die wirtschaftliche Erholung des Landes aus der Pandemie-Krise forcieren will. Ein Großteil des Geldes solle in eine emissionsfreie Mobilität fließen; Strom und Wärme spätestens 2035 komplett aus erneuerbaren Energien stammen. „Das hat jetzt schon ein Kursfeuerwerk bei Wind- und Solaraktien gezündet“, schwärmt Keidel.

Das dreckige Dutzend Diese Banken finanzieren fossile Brennstoffe besonders hemmungslos
Quelle: Fossil Fuel Finance Report 2021

Mehr: ran.org Guardian money.com