Metropolen
Vom Schmutzfink zum Klimaretter

Investieren Städte mit besonders hohen Treibhaushausgas-Emissionen konsequent in eine grüne Infrastruktur, zahlt sich das gleich mehrfach aus: Es entstehen Millionen neuer Jobs, dem Klima wäre geholfen, und am Ende sparen die Kommunen überdies viel Geld.

Panorama von Mumbai
Mumbai in Indien Riesiges Potential zur CO2-Reduktion Foto: ameeq on Pixabay

Das enthüllt ein gerade veröffentlichter Report der Coalition for Urban Transitions, einem internationalen Zusammenschluss von Forschern zur Entwicklung nachhaltiger Stadtstrukturen. Bei ihrer Studie nahmen sie sechs Länder in den Blick, deren Metropolen für mehr als 40 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sind: China, Indien, Brasilien, Indonesien, Mexiko und Südafrika. Sie erwirtschaften zugleich rund ein Drittel der globalen Wertschöpfung.

Elektrobusse, sparsame Heizungen und Solardächer gehören zu den Maßnahmen

Die Experten schlagen eine ganzes Bündel an Maßnahmen vor, deren Umsetzung den ökologischen Fußadruck der dortigen Städte drastsich verkleinern würden:

  • Bestehende Häuser, heute wahre Energieschleudern, sollen energetisch ertüchtigt werden, um den Strom- und Wärmeverbrauch massiv zu senken. Etwa durch den Einbau moderner Heizungen, sparsamer Klimaanlagen und isolierten Fenstern. Neubauten, so der Vorschlag, haben, wo immer sinnvoll, Solaranlagen auf den Dächern.
  • Anschaffung von Elektrobussen im öffentlichen Nahverkehr, Aufbau eines engmaschigen Netzes an Fuß- und Fahrradwegen, gezieltes Wiederverwerten von Materialien und Abfallstoffen.
  • Erhalt und Erneuerung von stadtnahen Torfmooren und Mangrovenwäldern als Schutz gegen Überflutungen und Stürme.

Unter dem Strich ersparten die Maßnahmen den Ländern bis 2050 Kosten in Höhe von 12 Billionen US-Dollar und würden allein in China und Indien bis 2030 mit 15 beziehungsweise acht Millionen neuer Arbeitsplätze einher gehen, so die Berechnung der Forscher. Zugleich würden die CO2-Emissionen um mehrere Millionen Tonnen sinken.

Noch fließt viel zu wenig Geld in grüne Stadtprojekte

Die stellvertretende Generalsekretärin der Vereinten Nationen (UN), Amina J. Mohammed, weist den urbanen Regionen daher eine Schlüsselrolle im Kampf gegen die Erderwärmung zu. „Sie CO2-neutral umzubauen ist entscheidend, um die Klimakrise zu überwinden.“ Die Nigerianerin kritisiert zugleich, dass von den vielen Billionen US-Dollar, die die G-20-Staaten in die ökonomische Überwindung der Corona-Pandemie stecken wollen, gerade einmal 544 Milliarden in grüne Stadtprojekte fließen. „Das muss schleunigst besser werden“, fordert sie.

Immerhin ist es ein Anfang – und es gibt weitere Lichtblicke. So machen sich Städte weltweit auf, Teile ihrer Flächen als Refugien für Flora und Fauna zu reservieren. Ein Ziel ist es, die Artenvielfalt auch im urbanen Raum zu erhalten. Zu den Vorreitern gehören Paris, Singapur, Rotterdam und Montreal.

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