Lebensmittelproduktion
Smarte Daten gegen Verschwendung

Mit intelligenten Informationsketten vom Bauern bis ins Regal wollen Saarbrücker Forscher erreichen, dass Lebensmittel ressourcen- und klimaschonend zu den Verbrauchern gelangen. Zugleich erschließt die clevere Datenökonomie neue Ertragsquellen.

Kakaobohnen Wie fällt die Ernte aus, wie entwickeln sich die Preise? Foto: Fairtrade/Sean Hawkey

Der Wirtschaftsinformatiker an der Universität des Saarlandes, Wolfgang Maaß, war selbst erschrocken, als er die Zahlen recherchierte. „Die Lebensmittelproduktion erzeugt fast ein Drittel der weltweiten Treibhausgas-Emissionen. Zugleich werden Millionen Tonnen an Lebensmitteln Jahr für Jahr vernichtet“, berichtet er. Die ernüchternde Bilanz spornte ihn zu der Idee an, der klimaschädlichen und unnötige Kosten verursachenden Praxis mithilfe einer Datenplattform und künstlicher Intelligenz zu Leibe zu rücken.

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Im Idealfall wird nur produziert, wofür es Nachfrage gibt

Jetzt haben Maaß und sein Team das System startbereit. Es führt alle frei verfügbaren und von den beteiligten Akteuren freiwillig bereit gestellten Daten zusammen. Die Software verknüpft sie zu maßgeschneiderten Informationen, mit denen die Landwirte, Viehzüchter, Lebensmittelproduzenten und Händler ihre Wertschöpfung optimieren können. Der erhoffte Effekt: Eine massive Ressourcen- und Energieersparnis, unter anderem weil im Idealfall nur noch produziert wird, wofür es auch eine Nachfrage gibt.

Schokoladehersteller würden aus den aufbereiteten Datenströmen zum Beispiel früh über Umfang und Qualität der Kakaoernte informiert und wissen, ob Bohnen bestimmter Güte knapp sein werden. Das hilft ihnen bei der Einkaufsplanung. Landwirte erfahren aus Wetterdaten, wann sie am besten säen und ernten. Die Preisausschläge an den Rohstoffbörsen geben ihnen Hinweise, mit welchen Früchten sie das meiste Geld verdienen können, statt darauf sitzen zu bleiben. Auch die Organisation der weltweiten Transportströme ließe sich optimieren, erwartet Maaß.

Die Landwirte versilbern ihre Datenschätze

Und noch einen Vorteil soll der Datenmarktplatz bieten. Er erschließt Bauern und Lebensmittelproduzenten nach den Vorstellungen des Informatikers neue Einnahmequellen. Denn sie verschenken ihre Datenschätze nicht einfach, sondern stellen sie in Rechnung. Interessenten gäbe es genug, ist sich Maaß sicher. Im Auge hat er dabei vorweg die Händler an den internationalen Waren- und Rohstoffmärkten. „Da geht es täglich um Milliarden. Entsprechend hoch ist der Wert solcher Datenprodukte“, prognostiziert der Professor.

Es ist nicht das einzige attraktive Geschäftsmodell, das Experten den Landwirten in Aussicht stellen. Das US-Startup Indigo will sie rund um den Globus zu „Carbon Farmern“ befördern. Sie stellen auf eine weniger klimaschädliche Ökolandwirtschaft um, wodurch ihre Böden mehr Kohlendioxid speichern. Die Einsparungen können die Farmer dann als CO2-Zertifikate handeln.

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