Suburbia
Einfamilienhaus – Wovon die Leute träumen

Von wegen urbanes Wohnen: 74 Prozent der Deutschen wollen in einem Einparteienhaus leben – trotz der Kritik von Ökologen an dieser Wohnform. Die Mehrheit würde auch auch 40 Minuten Anreise zum Arbeitsort in Kauf nehmen. Ist der viel beschworene Trend zum Wohnen in der Stadt eine Schimäre?

Einfamilienhaus Zersiedlung, bitte, bitte – auch gern mit langer Anfahrt (Foto: kks1122/Pixabay)

Nicht ganz. Zwar seien 60 Prozent der finanzierten Immobilien Häuser, doch sei der Anteil leicht rückläufig, berichtet Mirjam Mohr, Vorständin beim Baufinanzierer Interhyp, dem Handelsblatt. Mohr geht allerdings davon aus, dass der Trend nicht nur die Wünsche der Immobilienerwerber, sondern auch die Anpassung an das Angebot widerspiegele.

Tatsächlich hat sich seit dem großen Auszug der Deutschen aus der Stadt in den Nachkriegsjahrzehnten nicht viel geändert. Die Menschen zwischen Rhein und Oder träumen weiterhin vom Wohnen im Einfamilienhaus auf dem Grünen – auch wenn Ökologen darauf hinweisen, dass Einfamilienhäuser 41 Prozent der bebauten Fläche einnehmen, aber nur 31 Prozent aller Wohnunterkünfte bereitstellen. Eine Bemerkung des Fraktionschefs der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, über die Umwelt-Folgen von Einzelhäusern hatte im vergangenen Monat eine breite Debatte über das Für und Wider von Einfamilienbauten entfacht.

Frauen weniger statusgeil

Eine jüngst veröffentlichte Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass 33 Prozent der Befragten das Einfamilienhaus bevorzugen, 25 Prozent vom Reihenhaus träumen und 16 Prozent von der Doppelhaushälfte. In Mehrfamilienhäusern wollen nur 26 Prozent leben. Die Befragten scheinen zu wissen, dass solche Wohnträume in der Stadt kaum zu verwirklichen sind: Zwar würden 39 Prozent von ihnen gern zentrumsnah leben, doch 32 Prozent präferieren den Vorort und 29 Prozent die angrenzende Umlandgemeinde. Frauen neigen der Befragung zufolge eher zum städtischen Wohnen in einer Mietwohnung. Die Autoren vermuten einen Zusammenhang mit dem geringen Bedürfnis von Frauen nach Statussymbolen.

Tröstlich für Stadtfreaks: Nach Meinung der IW-Autoren bieten die Vorlieben den Raumplanern die Möglichkeit, die Nachfrage zu entzerren und auf die Fläche zu verteilen. Ohne diese Option würden Stadtneurotiker noch höhere Mieten und Kaufpreise zahlen.

Mehr: Institut der Deutschen Wirtschaft