BASF
Der Chemieriese steigt in die grüne Stromproduktion ein

Der weltweite Branchenführer strebt ab 2050 Null-CO2-Emissionen an. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll der Ausstoß um ein Viertel verringert werden. Bis dahin will der Konzern bis zu vier Milliarden Euro in die Umwelt investieren.

BASF Stammwerk Ludwigshafen Klimawandel als die größte Herausforderung erkannt (Foto: BASF)

Der einstige Stinker will damit zu einem Vorreiter im Klimaschutz aufrücken. Zwar sind die ersten Schritte schon gemacht. So lagen 2018 die globalen Ausstöße bei 21,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Im Jahr 1990 waren die Emissionen noch doppelt so hoch. Doch damit ist BASF-Vormann Martin Brudermüller nicht zufrieden. Das neu formulierte Ziel soll die EU-Vorgaben um 55 Prozent übertreffen – trotz Wachstums und der Errichtung eines großen Chemiewerks in Südchina. Das Wachstum herausgerechnet reduziert BASF ihre CO2-Verunreinigungen bis 2030 gar um die Hälfte.

Für Brudermüller ist der Klimawandel die „größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts.“ Darauf müsse man die chemischen Prozesse und das Produktportfolio ausrichten. „Dabei kommt es auf die ersten Meter der Wegstrecke an und nicht auf die letzten“, sagt Brudermüller in seiner Mitteilung zum „Fahrplan zur Klimaneutralität“. BASF wird nach dem Öko-Fahrplan verstärkt erneuerbare Energie nutzen. Für die Chemikalienproduktion will der Konzernchef beschleunigt CO2-freie Verfahren einsetzen und entwickeln.

Allerdings befinden sich die meisten dieser Verfahren noch im Erprobungs- oder im Entwicklungsstadium. Die breitbandige Anwendung wird erst ab 2030 zum Tragen kommen. Bis dahin begnügt sich der Chemikalien-Hersteller damit, den eigenen Stromverbrauch Schritt für Schritt auf nachhaltige Quellen umzustellen. Hinzu kommen Optimierungen im Rahmen vorhandener Techniken.

Zu den künftigen Klimaschonern, in die die Ludwigshafener investieren, gehören elektrisch betriebene Steamcracker für die Herstellung von Basischemikalien. Diese Dampfspalter zerlegen bei 800 Grad Rohbenzin in Grundstoffe wie  Ethylen, Propylen, Butadien, Pyrolysebenzin und Wasserstoff. Statt Gas soll künftig zur Erhitzung der Spaltöfen nachhaltig erzeugter Strom verwendet werden. Der Konzern geht an Standorten wie dem Stammwerk folglich von einer Verdreifachung des Stromverbrauches aus. Grüner Strom stünde jedoch zu konkurrenzfähigen Preisen in den benötigen Mengen in Deutschland nicht zur Verfügung, sagt Brudermüller. Deshalb wolle der Konzern selbst in die nachhaltige Stromerzeugung investieren.

Es wird teuer

All das gibt es nicht umsonst. Wegen der erhöhten Betriebskosten appelliert der BASF-Vostandsvorsitzende an die Zahlungsbereitschaft der Verbraucher. Ebenso fordert Brudermüller „eine neue Zusammenarbeit zwischen Industrie und Politik, die zu einer positiven, ergebnis-orientierten Regulierung führt und unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit erhält.“

Aktivisten hatten in der Vergangenheit den Ludwigshafener Konzern vor allem wegen des Verkaufs von Pestiziden und der Patentierungen von Saatgut kritisiert. In den USA wurde BASF vor einem Jahr zusammen mit dem Leverkusener Chemiekonzern Bayer zu einem Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe im Zusammenhang mit dem Einsatz von Pestiziden verurteilt. Eine endgültige Entscheidung oder Vereinbarung mit dem Kläger steht noch aus.

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