Autonomes Fahren
Künstliche Intelligenz: Wenn Autos mehr als Menschen wissen

Stellen Sie sich vor, Sie fahren Auto und das Fahrzeug weiß früher als Sie, was in den nächsten Sekunden passiert! Eine neues Frühwarnsystem aus München macht genau das möglich. Künstliche Intelligenz lernt dabei aus vergangenen gefährlichen Verkehrssituationen.

Fährt selbst und ständig Autonomer Kleinbus auf dem Charité-Campus in Berlin (falco/Pixabay)

Der gängige Ansatz zur Entwicklung selbst fahrender Autos ist die Programmierung einer Unzahl ausgefeilter Modelle. Nach diesen Mustern sollen die Fahrzeuge das mögliche Verhalten aller Partner im Straßenverkehr beurteilen und situativ reagieren. Was aber, wenn nicht mögliche Verhaltensmuster noch nicht erfasst sind?

Eckehard Steinbach, Inhaber des Lehrstuhls für Medientechnik an der Technischen Universität München und seine Mitforscher gehen nach einem vollkommen anderen Ansatz vor. Sie setzen Künstliche Intelligenz (KI) ein, die von Situation zu Situation klüger wird. Das sind typischerweise Situationen, in welchen der Mensch wieder die Kontrolle über das Auto übernahm – entweder, weil die Selbstfahr-Software ihn zum Eingreifen aufgefordert hat – oder weil er sich selbst aus Sicherheitsgründen dazu entschieden hat.

Brenzlige Situationen werden nie vergessen

Dabei erfassen Sensoren und Kameras die Umgebung und die Zustände im Fahrzeug – zum Beispiel den Stand des Lenkrads, den Zustand der Straße, das Wetter oder die Geschwindigkeit. Die auf einem sogenannten rekurrenten neuronalen Netz (RNN) basierende KI analysiert die Muster dieser Daten. Wird bei einer Fahrt das Muster einer Situation wiedererkannt, in der das Selbstfahrsystem überfordert war und der Fahrer eingreifen musste, warnt die KI den Fahrer.

„Viele der bisherigen Methoden untersuchten, was die Autos vom Verkehr verstehen und verbessern dann die Modelle, nach denen sich die Autos richten“, sagt Steinbach, der auch Mitglied im Board of Directors der Munich School of Robotics and Machine Intelligence ist, „wir hingegen ignorieren völlig die Meinung des Autos, schauen nur auf das tatsächliche Geschehens und finden Muster.“ Die KI entdecke so auch potenziell kritische Situationen, die in den Modellen vielleicht noch nicht erkannt wurde.

Das Team hat die Technologie zusammen mit Entwicklern des Münchner Autobauers BMW und dessen selbst steuernden Prototypen im normalen Verkehr getestet und dabei rund 2 500 Situationen mit notwendigem Fahrereingriff analysiert. Dabei zeigte sich, dass eine Vorhersage von kritischer Situationen bereits mit einer Genauigkeit von über 85 Prozent möglich war – und das bis zu sieben Sekunden vor deren Eintreffen.

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