Daimler
Abschied vom Verbrenner früher als geplant

Der Mercedes-Bauer will nicht mehr zu den Nachzüglern beim Wechsel zur E-Mobilität gehören und macht Tempo beim Umstieg. Auf der gestrigen Hauptversammlung bestätigte Konzern-Vormann Ola Källenius das vorzeitige Ende des Verbrenners. Doch beim ältesten Autoproduzenten weltweit gibt es auch Widerstände.

Daimler-CEO Ola Källenius mit Elektro-SUV Mercedes EQA 250 Vom Zauderer zum Treiber (Foto: Daimler AG)

An die Adresse von Tesla sandte Källenius die Botschaft: „Wir haben keine Angst vor der Herausforderung. Wir sind diejenigen, die verändern.“ Das allerdings gilt es noch zu beweisen. Der Umsatz des amerikanische E-Auto-Pioniers entspricht zwar nicht einmal einem Fünftel der Daimler-Verkäufe. Der Börsenwert ist aber – je nach Tageskurs – etwa sechsmal höher.

Große Hoffnungen setzt der Vorstandsvorsitzende auf den EQS, der Mitte des Monats lanciert wird. Die E-Limousine ist das erste Modell auf der neuen Mercedes-Elektro-Plattform. Schenkt man den Aussagen des Konzernchefs Glauben, handelt es sich bei dem EQS um ein wahres Wundervehikel – auch in ökologischer Hinsicht. Der Wagen entsteht in der CO2-neutralen Fabrik in Sindelfingen. Die Reichweite beträgt 770 Kilometer. Innerhalb einer Viertelstunde ist genügend Strom für 300 Kilometer Reichweite nachgeladen. Der Windschlüpfrigkeitswert von 0,20 cw ist der kleinste aller Serienfahrzeuge auf dem Weltmarkt. Auf einer Breite von 141 Zentimetern erstreckt sich quer über Front ein Riesenbildschirm. Der EQS soll das Leitmodell unter den Elektro-Fahrzeugen des Konzern werden.

Damit nicht genug: Die schwäbischen Vehikel-Hersteller planen jetzt schon eine weitere elektrische Limousine, den EQE und zwei weitere Stadtgeländewagen auf Basis der Plattform. Gleichzeitig entsteht eine weitere Plattform für die Kompakt- und Mittelklasse. In eine ganz andere Richtung soll hingegen die Entwicklung bei den Verbrennern laufen. Die Modellpalette wird nach und nach eingeschränkt. Schon in vier Jahren soll die Verbrenner-Vielfalt um mehr als ein Drittel kleiner sein. Nach der aktuell in Entwicklung befindlichen Generation von Otto- und Dieselmotoren soll keine mehr folgen. Das Motorenwerk in Untertürkheim wird auf Stromer umgerüstet.

Leiden am Wandel

Für die Arbeiter und Ingenieure bei Daimler, dessen Gründer 1886 auf die Idee kam, einen Ottomotor in einen Wagen einzubauen, ist der Umschwung in Richtung E-Mobilität eine seelische Herausforderung. „Das spielen jede Menge Emotionen mit“, heißt es am Konzernsitz in Stuttgart. Manch einer bezweifelt hier noch den erfolgreichen Ausgang des Projekts. Doch angesichts des unbedingten Willens des Topmanagements zum Umstieg haben die E-Skeptiker nur wenig Chancen auf Gehör.

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