Solarenergie für Afrika
Kleines Geld, große Wirkung – Sonnenkraft für Afrika

Ein deutsches Start-up will mit dem Bau von Solaranlagen zum wirtschaftlichen Aufschwung wie zum Klimaschutz in Afrika beitragen. Anleger können sich mit geringen Beiträgen daran beteiligen, das Crowdfunding hat jetzt begonnen.

Regal-Hotel im ghanaischen Tamale: Geplante Solarananlage für 40 000 Euro (Foto: Fugger)

„Ewia“ ist Twi, eine der Nationalsprachen von Ghana, und heißt auf Deutsch „Sonne“. Ewia, genauer gesagt: Ewia Green Investments, heißt auch das Unternehmen in der Leopoldstraße in München, das sich der Finanzierung der Sonnenkraft in Afrika verschrieben hat. „Wir wollen diejenigen, die das Geld dafür haben, mit denjenigen zusammenbringen, die das Geschäft mit Solaranlagen in Afrika in Gang bringen“, sagt Wolf-Dietrich D. Fugger, 60, promovierter Agraringenieur und einer von drei Ewia-Gesellschaftern. Ziel des Unternehmens ist nicht mehr und nicht weniger als „kostengünstiger Strom für Afrikas Unternehmen“.

20 bis 25 Prozent Zinsen

Den entscheidenen Schritt dazu, nach der Unternehmensgründung vor gut einem Jahr, erfolgt jetzt. Von nun an können sich Kleinanleger an dem sonnigen Geschäft beteiligen. Dazu startet Ewia zu Ostern das sogenannte Crowdfunding. So heißt das Einsammeln von Krediten bei Kleinanlegern, die bereit sind, ohne große Formalien und Sicherheiten Geld für unternehmerische Projekte zu geben, die ihnen am Herzen liegen und von deren Erfolg sie überzeugt sind. Ewia will auf diese Weise 500 000 Euro einsammeln und verspricht den Kreditgebern dafür 20 bis 25 Prozent Zinsen über die kommenden fünf Jahre. Der Mindestkredit beträgt 100 Euro, der Höchstbetrag 25 000 Euro. Das Geld soll dem Aufbau des Geschäfts dienen.

Pilotprojekt im Norden Ghanas

Für die Anleger muss klar sein: „Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen“, warnt Ewia potentielle Kreditgeber. „Der in Aussicht gestellte Ertrag ist nicht gewährleistet und kann auch niedriger ausfallen.“

Intern scheint die Aktion gut angelaufen zu sein. Bis zum offiziellen Start des Crowdfundings am 1. April 2021, dem Donnerstag vor Ostern, stellten Angehörige, Freunde und Bekannte Ewia laut Mitgesellschafter Fugger bereits 50 000 Euro zur Verfügung. Was mit ihrem Geld indirekt passiert, sollen die Anleger demnächst am Beispiel des Regal-Hotels in nordghanaischen Tamale verfolgen können, der drittgrößten Stadt des Landes. Die Touristenherberge soll eine Solaranlage für 40 000 Euro erhalten. „Das ist unser Pilotprojekt“, sagt Ewia-Mitgesellschafter Fugger.

Erfahrungen in Industrieunternehmen

Um daraus ein groß angelegtes Geschäft zu machen, hat sich Tropenagrar-Spezialist Fugger mit zwei Fachleuten aus der Finanzbranche und aus dem Nachhaltigkeitsmanagement als Mitgesellschafter zusammengetan. Für die Finanzen zuständig ist Timo Schäfer, 41. Der Betriebswirt arbeitete unter anderem für den baden-württembergischen Maschinenbauer Voith im Nachhaltigkeitscontrolling. Die Geldbeschaffung verantwortet Ralph Schneider, 54, Investmentbanker und ehemaliger Vorstand beim international tätigen Photovoltaik-Anlagenbauer Phoenix Solar in Sulzemoos bei München.

Fehlende Kredite für Solarprojekte

Der Ausbau der Stromversorgung in Afrika auf Basis erneuerbarer Energie ist einer der Schlüssel für die wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents wie für den Stopp der globalen Erderwärmung. Dass sich Ewia zunächst auf Ghana konzentriert, hat drei Gründe. Zum einen ist Agraringenieur Fugger mit einer Ghanaerin verheiratet und verfügt dadurch über ein weit verzweigtes Netzwerk in dem 31-Millionen-Einwohner-Land. Zum anderen ist der Kreditmarkt in Ghana für Geschäfte mit Solaranlagen, freundlich formuliert, denkbar unterentwickelt. „Die Zinsen betragen um die 30 Prozent“, sagt Fugger, und die Kredite hätten nur eine kurze Laufzeit. Solaranlagen hingegen spielen die Investitionen erst im Laufe mehrerer Jahre ein. „Kredite für die Finanzierung der Anlagen gibt es praktisch nicht“, so Fugger.

Land der Religionstoleranz

In diese Lücke zu springen, traut sich das Ewia-Trio schließlich, weil Ghana politisch relativ konfliktfrei und nicht von religiösen Exzessen bedroht ist wie drei Ländere weiter östlich der Öl-Staat Nigeria, in dem es immer wieder zu Gewalttaten von islamistischen Gruppen kommt. „Die Angehörigen der veschiedenen Stämme und Religionen in Ghana heiraten untereinander und leben friedlich zusammen“, sagt Ewia-Gesellschafter Fugger.

Der Ghana-Freund spricht aus Erfahrung. Seine Frau ist Christin, sein Schwager Muslim , erzählt Fugger – „es herrscht Religionstoleranz.“

Von Reinhold Böhmer