Forstwirtschaft
Klimaschäden am Wald kosten fast 13 Milliarden Euro

Verdorrte Bäume, kahle Flächen, totes Holz: Der deutsche Wald ist bedroht und damit viele Betriebe der Branche. Dies stellte der Deutsche Forstwirtschaftsrat in einer ökonomischen Zwischenbilanz der vergangenen Hitze- und Sturmjahre fest. Die Schäden durch Dürre, Windbruch und Borkenkäfer übersteigen danach bei weitem die finanziellen Möglichkeiten der Forstbetriebe und Waldbesitzer.

Forstschäden im Mittelgebirge Wälder leiden unter Klimawandel (Dionus/Pixelio)

Rund die Hälfte der deutschen Forstbestände sind in Privatbesitz. Die meisten der über zwei Millionen Eigentümer bewirtschaften kleine Flächen. Während nur 13 Prozent der Flächen Großbesitzern mit über 1 000 Hektar gehören, verfügen 98 Prozent der Besitzer nur über Mini-Flächen von weniger als 20 Hektar. Diesen Kleinstbesitzern gehören etwa 50 Prozent des deutschen Privatwaldes.

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Viele Betriebe stehen jetzt vor dem Nichts. „Das Schadausmaß von 2018 bis 2020 durch Sturm, Dürre und Borkenkäfer übersteigt die finanziellen Möglichkeiten und Reserven der meisten Waldbesitzenden und Forstbetriebe angesichts der Dimensionen bei weitem“, betont Forstökonom Bernhard Möhring von der Uni Göttingen und Leiter der Studie zu den Klimaschäden. Bislang hätten die Waldbesitzer die Maßnahmen zur Anpassung der Gehölze an den Klimadruck durch den Verkauf des geernteten Holzes finanziert. Doch dieses Geschäftsmodell sei angesichts der jüngsten Schäden nicht mehr fortzuführen. Denn die finanzielle Belastbarkeit der meisten Betriebe sei durch die zerstückelte Kleinstruktur der Forstbranche ohnehin ausgeschöpft.

Billiges Holz überschwemmt den Markt

Die Klimaschäden der vergangenen drei Jahre in Höhe von 12,7 Milliarden Euro übersteigen der Studie zufolge den Nettogewinn der gesamten Branche etwa um das Zehnfache. „Biodiversität, Klimaschutz und Erholungsraum stellen die Forstbetriebe bisher überwiegend unentgeltlich zur Verfügung“, sagt Möhring. Dieses Prinzip habe der Klimawandel ausgehebelt. Hinzu komme die angespannte Marktsituation, weil der Markt mit Schadholz überschwemmt werde. Dadurch fehlten den Besitzenden häufig die Mittel für die Wiederbewaldung mit Mischwald.

Nach Meinung des Deutsche Forstwirtschaftsrats (DFWR) benötigen die Forstbetriebe eine staatliche Unterstützung, um das Generationenwerk nachhaltig bewirtschafteter Wälder weiterführen zu können. Die Wälder würden durch die Folgen des Klimawandels bedroht ebenso wie ihre Wirkung für den Klimaschutz. Deshalb, so der DFWR, sollte ein Teil der Einnahmen des Bundes aus der CO2-Abgabe für die Anpassung der Wälder an den Klimawandel eingesetzt werden.

Die von Bund und Ländern lancierten Soforthilfe-Programme reichen nach Ansicht des DFWR nicht. Sie seien schließlich nur auf vier Jahre angelegt. DFWR-Präsident Georg Schirmbeck: „Die Forstwirtschaft benötigt ein Programm über 2023 hinaus. „Die Bewältigung der Waldkrise sei immerhin eine Jahrhundertaufgabe.

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