Plastikmüll
Statt Einwegplastik: Essbare Löffel, Gabeln und Teller

Das bevorstehende EU-weite Verbot von Einwegplastik schafft Platz für umweltschonende Alternativen. Im Angebot sind Besteck und Geschirr aus Algen und Brotteig, oder Rückgabesysteme aus Porzellan. Vor allem Startups tummeln sich auf dem Wachstumsmarkt.

Einfach mal reinbeißen Essbarer Löffel hält sogar Suppen stand Foto: Kulero

Der Geistesblitz kam Hemant Chawla auf einem Festival in seiner Heimat Indien. Weil ihm die Löffel ausgegangen waren, reichte ihm ein Standbetreiber Brot, um das Reisgericht vom Teller aufzunehmen. Wäre es nicht genial, die Löffel künftig aus Brotteig herzustellen und so dem Plastikwahn etwas entgegen zu setzen?, dachte sich Chawla.

Zurück in Göttingen erprobte er mit seiner Geschäftspartnerin Juliana Schöning geeignete Rezepturen und gründete Kulero. Das Startup hat sein Sortiment längst erweitert um ess- und kompostierbare Schüssel, Strohhalme und Teller. Es produziert die Bioware in Westindien – und neuerdings auch im schwäbischen Heidenheim bei einer Großbäckerei. Seit die Lebensmittelketten Rewe und Edeka das Besteck an ihren Salatbüffets erproben, wächst der Absatz rasant. Schon hat das Duo mehr als fünf Millionen seiner Löffel verkauft.

Algenverpackungen und Schützhüllen aus Pflanzenfetten

Die Göttinger stehen mit ihrer Idee nicht allein. Null Abfall (Zero waste) hat sich auch das Dresdner Unternehmen Füllet auf seine Fahnen geschrieben. Die Sachsen backen Wasser, Weizen- und Roggenmehl , Rapsöl und Salz in einem eigens entwickelten Verfahren zu Mitnehm-Verpackungen und Geschirr. Alles, so betonen sie, biologisch produziert.

Aus Indonesien hat das Unternehmen Evoware ein anderes biologisch gut abbaubares Verpackungsmaterial nach Europa gebracht: Meeresalgen und Seegras. Und bereits Nachahmer gefunden. Im Projekt Mak-Pak entwickeln Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) und der Hochschule Bremerhaven Algen-Verpackungen für den Außer-Haus-Verzehr. Ein erster Test in norddeutschen Filialen des Fischhändlers Nordsee fiel vielversprechend aus. Kunden zeigten sich jedenfalls mit Haptik, Geruch, Konsistenz, Aussehen und Geschmack des Algenmaterials zufrieden.

Alternativen gesucht Algenzucht und -verarbeitung im AWI Foto: Alfred-Wegener-Institut

Mit einem Ersatz für Frischhaltefolien aus Plastik hat zuletzt das US-Unternehmen Apeel Aufmerksamkeit erregt. Seine Schutzhülle aus pflanzlichen Fetten – bisher ungenutzten Abfallprodukten aus der Landwirtschaft – legt sich um Orangen, Mandarinen und Zitronen und verhindert deren frühzeitige Reifung, indem sie das Wasser in den Früchten hält und sie gegen Sauerstoff abschirmt. Edeka berichtet, die zweite Haut würde pro Lkw-Ladung 3200 Avocados vor dem Verderben bewahren. Das entspräche einer Einsparung von 840 000 Litern Wasser und 80 Kilogramm Treibhausgasen.

Täglich schlucken wir Mikroplastik in der Größe einer Kreditkarte

Ess- und kompostierbare Verpackungen sind aber nicht der einzige Ansatz zur Bekämpfung der Plastikflut. Eine Alternative, auf die ebenfalls gleich mehrere Jungunternehmen setzen, ist Mehrweggeschirr. Damit hat das Kölner Unternehmen Vytal zuletzt von sich reden gemacht. Anders als die Systeme etwa des Münchener Startups Recup und des Schweizer Anbieters Recircle basiert das Modell der Rheinländer nicht auf Pfand, um die Nutzer zur Rückgabe zu bewegen. Sie versorgen ihre Abnehmer mit verschließbaren Schüsseln, in deren Deckeln ein QR-Code steckt. Werden die Bowls befüllt, führen Restaurants und Läden je nach Größe der Schale eine Nutzungsgebühr zwischen 15 und 25 Cent an Vytal ab.

Der Plastikpest hat sich zu einem der größten Umweltprobleme entwickelt. Die Kunststoffe vermüllen nicht nur unsere Ozeane und finden sich inzwischen sogar im ewigen Eis des Mount Everest. Sie birgt auch wachsende Risiken für unsere Gesundheit. Zerfallen zu Kleinstpartikeln gelangen die Kunststoffe über die Nahrung in das Körpergewebe von Menschen und Tieren und reichern sich dort an. Je nach Lebensumstand nimmt jeder Mensch inzwischen täglich bis zu fünf Gramm Mikroplastik zu sich, berichten australische Forscher. Das ist in etwa so viel, als würde man täglich eine Kreditkarte verschlucken.

Mehr: RND Berliner Kurier