Verkehrswende
Mehr Zug fahren, weniger fliegen

Die Deutsche Bahn und die Airlines wollen ihre Angebote künftig stärker ergänzen, um klimaschädliche Inlandsflüge zu begrenzen. Das Bündnis hofft, 4,3 Millionen Flugreisende auf die Schiene locken zu können. Bahnverbände kritisieren lahmende Elektrifizierung.

Reisende spiegeln sich in den Seitenscheiben eines ICE im Berliner Hbf
Bahnreisende am Berliner Hauptbahnhof Schnellzüge sollen Fugzeugpassagiere zum Flugverzicht bewegen
Foto: Deutsche Bahn AG/Oliver Land

Die Franzosen schränken Inlandsflüge per Gesetz ein – Deutschland geht den Weg der Kooperation. Deutsche Bahn (DB) und der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) verfolgen einen Aktionsplan, der immerhin 4,3 der rund 23 Millionen Fluggäste, die jährlich innerdeutsch fliegen, zum Wechsel auf die Bahn bewegen soll. Würde das gelingen, sänke der CO2-Ausstoß im innerdeutschen Flugverkehr durch weniger Verbindungen um ein Sechstel, rechnet die Allianz vor.

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Mehr Zubringerzüge, leichteres Umsteigen

Ronald Pofalla, DB-Vorstand Infrastruktur, gibt sich ob der Pläne geradezu enthusiastisch: „Dieser Aktionsplan ist aktiver Klimaschutz! Die Bahn wird für Flugreisende immer attraktiver.“

Drei Maßnahmen sollen bisherige Passagiere von Lufthansa & Co, fürs Umsteigen begeistern:

  • Ein wachsendes Angebot an Zubringerzügen zu internationalen Flügen an den großen Drehkreuzen in Frankfurt, München, Düsseldorf und Berlin;
  • vereinfachtes Umsteigen zwischen Flug und Zug, etwa durch eine optimierte Wegführung, klare Beschilderung und einen kundenfreundlicheren Gepäcktransport;
  • der Ausbau schneller Zugverbindungen zwischen den Metropolen.

BDL-Präsident Peter Gerber erwartet Erfolg jedoch vor allem auf Kurzstrecken. „Bei mehr als drei Stunden werden Passagiere auch künftig das Flugzeug bevorzugen.“

„Impfstoff gegen den Klimawandel“

Nachdem die Umsätze der Bahn vergangenes Jahr coronabedingt massiv eingebrochen sind, was zu einem operativen Verlust von 2,9 Milliarden Euro in der Bilanz beigetragen hat, hofft Bahn-Chef Richard Lutz auf eine Rückkehr der Kunden – auch im Güterverkehr. Zugleich kündigte er neue Rekordinvestitionen an und betonte die Bedeutung der Bahn als umweltschonendes Verkehrsmittel: „Wir sind der Impfstoff gegen den Klimawandel.“

Große Worte. Doch wie steht’s mit den Taten beim Ausbau des Schienenverkehrs?

Elektrifizierung von Strecken stockt

Da kritisieren der Fahrgastverband „Pro Bahn“ und das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) insbesondere Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer heftig. Der habe unter dem Slogan „Wir setzen den Schienenverkehr weiter unter Strom“ vollmundig angekündigt, bis 2025 Strecken auf 3500 Kilometern mit Oberleitungen zu versehen – vor allem Güterstrecken. Davon seien 270 Kilometer übrig geblieben. Ihr harsches Urteil: „Das Ausbauprogramm elektrische Güterbahn ist eine Luftnummer.“

Mehr: Volksfreund BDL