Verbrechen
Tatort Natur: Mit Fallen, Gift und Feuerwaffen

Verstümmelte Habichte, erschossene Seeadler, Biber in Schlagfallen – Naturfrevler schrecken vor der Tötung bedrohter Arten nicht zurück. Ein Bericht aus Bayern sieht Jagdkonkurrenz, Trophäen-Pirsch und wirtschaftliche Interessen als Hauptmotive.

Jagd nach Wildfrevlern Bayrische Polizisten suchen Waldrand nach vergifteten Greifvögeln ab (Polizei Niederbayern)

Zwar seien in den vergangenen beiden Jahren in Bayern nur 75 Fälle mit 121 getöteten Tieren aus 17 streng geschützten Arten entdeckt worden. Doch die Mitautorin der Studie, Franziska Baur, geht davon aus, dass „die Dunkelziffer sicher um ein Vielfaches höher“ liegt. Hauptopfer der Artenschutzverbrechen waren Greifvögel wie Rotmilan, Mäusebussard, Uhu oder Seeadler. Aber ebenfalls hochgefährdete Säugetierarten wie Biber oder Luchs fielen den Wildtötern zum Opfer. Auch der Fischotter gehörten in den Vorjahren immer wieder zu den betroffenen Tierarten.

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In der Regel sind Jagd- und Angelleidenschaft oder wirtschaftliche Gründe das Motive für die Tötungen. „Erfahrungsgemäß handelt es sich häufig um Jäger, Geflügel- oder Taubenhalter, die in den Greifvögeln oder Luchsen unliebsame Konkurrenz für Niederwild sehen“, sagt Baur. Manchmal geht es aber um viel Geld: Im Umfeld von geplanten Windparks können geschützte Arten den Bau von Windkraftanlagen verhindern. Auch die Sicherung des Wildreichtums zum Zweck höherer Einnahmen durch Jagdpacht ist in der Vergangenheit Motiv für Naturschutzvergehen gewesen.

Qualvoll verendet

Die Täter sind dabei nicht zimperlich: In der Nähe von Cham im Bayrischen Wald wurde ein ganzer Schwarm von Staren vergiftet. Greifvögel werden häufig durch vergiftete Fleischköder oder durch Schrottbeschuss vernichtet. Spektakulär war der Fall eines Baumfalken, der nach dem Abschuss zur Provokation kopfüber an einem Baum aufgehängt wurde. Ein Biber verendete qualvoll in einer Schlagfalle. In anderen Fällen zerstörten Täter den Biberdamm oder fällten den Horstbaum mit einem Mäusebussard-Gelege.

Die Untersuchung mit dem Titel „Tatort Natur“ bezieht sich zwar nur auf Bayern. Jedoch sind Ergebnisse weitgehend auf andere Bundesländer übertragbar. So wurden laut Erfassungs- und Dokumentationsstelle für Greifvögelverfolgung und Artenschutzkriminalität (Edgar) in den vergangen zehn Jahren fast 1600 Tötungen von Wildvögeln festgestellt. Auch hier gehen Naturschützer von einer hohen Dunkelziffer aus. „Wir gehen davon aus, dass höchstens 10 Prozent aller begangenen Taten auch bekannt werden“, sagt der Sprecher des Komitees gegen den Vogelmord Karl Heinz Kreutzer.

Mehr: Report Naturschutzkriminalität