Feuerung
Kampf der Heizungsbauer: Wasserstoff gegen Wärmepumpe

Eine Studie im Auftrag des Heizanlagen-Herstellers Viessmann plädiert für die Verwendung von Wasserstoff als Heizgas. Kritiker verweisen auf Umwandlungsverluste. Kai Stiefelbein, Chef des Viessmann-Konkurrenten Stiebel Eltron, hält die Idee deshalb für Unsinn.

Heizregler Wasserstoff durch Gasnetz (geralt/Pixabay)

Stiefelbein ist der Meinung, dass für die Produktion von grünem Wasserstoff große Mengen von Ökostrom gebraucht würden, die besser direkt für den Betrieb von Wärmepumpen genutzt werden sollten. Dies wäre um Vielfaches günstiger. „Es braucht etwa fünf Mal so viel Strom, um den Wasserstoff erst zu produzieren und dann wieder in Wärme umzuwandeln, als wenn man die gleiche Menge Wärme mit einer elektrischen Wärmepumpe erzeugt“, sagt der Geschäftsführer des Heiztechnikkonzerns Stiebel Eltron in Holzminden. Als Kronzeugen zitiert Stiefelbein das Bundesumweltministerium, das wiederholt auf die physikalisch unvermeidbaren Umwandlungsverluste hingewiesen hatte.

Ohne Bezug auf die Viessmann-Studie zu nehmen, plädiert Stiefelbein dafür, grünen Wasserstoff nur einzusetzen, wo er unersetzlich ist. So könne die Speicherfähigkeit von Wasserstoff genutzt werden, um bei der Nutzung nachhaltiger Stromquellen zeitliche Lücken zu überbrücken. Dies ist der Fall, wenn zum Beispiel weder die Sonne scheint, noch der Wind weht. Auch im Flug- oder Schiffsverkehr, in der Stahlbranche und der chemischen Industrie hat, so Stiefelmann, Wasserstoff seinen Platz. Bei der Gebäudeheizung sei mit der elektrischen Wärmepumpe seit Jahren eine umweltfreundliche und effiziente Heiztechnik erprobt.

Vorhandene Netze nutzen

Die Autoren der Viesmann-Studie hingegen befürchten, dass die fast ausschließliche Nutzung von Wärmepumpen die Stromnetze zu sehr belasten könnte. Die Experten des Politik-Beraters Frontiers Economics, die die Studie im Auftrage Viesmanns verfassten, weisen auf das vorbildliche Gasnetz in Deutschland hin. Darüber hinaus würde die Nutzung von Wasserstoff in der Gebäudeheizung den Einstieg in die Wasserstoff-Wirtschaft erleichtern. Technisch sei es relativ einfach, dem Erdgas Wasserstoff-Anteile hinzu zu fügen und über das Gasnetz zu verteilen. Die Studie sieht als Hürde für eine breite Wärmeversorgung durch elektrische Wärmepumpen den hohen Bestand unrenovierter Altbauten.

Viessman bietet bereits seit einiger Zeit Anlagen an, die einen Anteil von bis zu 30 Prozent Beimischung von Wasserstoff tolerieren. Max Viessmann hatte noch vergangenen Monat in einer Pressekonferenz unterstrichen, dass die kostengünstige Einbeziehung der deutschen Gasnetze unerlässlich für die Energiewende sei. Der Co-Vorstandsvorsitzende der Viessmann-Gruppe ist im Nationalen Wasserstoffrat der Bundesregierung vertreten.

Mehr: Frontier