Klimagipfel
Trotz der Fortschritte: Mehr ist noch immer zu wenig

Das virtuelle Treffen der vierzig Staatschefs war ein gigantischer Schritt nach vorn. Fast alle wichtigen Spieler formulierten neue, ehrgeizigere Ziele. Doch die Ergebnisse reichen nicht. Soll die Erderwärmung auch nur abgebremst werden, müssen diesem Schritt noch viele folgen. Ungelöst bleiben auch die Probleme der schlecht regierten Staaten des Südens.

Gipfel-Gastgeber US-Präsident Joe Biden Ehrgeizigere Ziele als Europäer (tiburi/Pixabay)

Mehr als Zeitgewinn ist bei dem Treffen jedoch nicht erzielt worden. “Ist es genug?“, fragte John Kerry, US-Klimabeauftragter und gab gleich die Antwort: „Nein!“ Aber es sei das Beste, was man zurzeit tun könne und beweise, dass man fähig sei loszulegen.

Tatsächlich würde – selbst wenn alle Versprechungen umgesetzt werden – das Klimaziel von einer maximalen Erderwärmung von 1,5 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts nicht eingehalten. Nach Berechnungen des Kölner NewClimate Institutes vermindert sich der Ausstoß – bei Einhaltung der Ankündigungen – im Jahr 2030 zwar um 3,7 Milliarden Tonnen. Das sind aber immer noch 24 Milliarden Tonnen zu viel für die Erreichung des Klimaziels. Dennoch ist Bilanz des Gipfels bemerkenswert. Allein die Verschiebung des Zielwertes von früher 2 Grad auf nur 1,5 Grad maximaler Erwärmungszunahme, zeige den gewachsenen Ehrgeiz der Staatschefs, sagt Lola Vallejo, in dem Kölner Institut zuständig für Nachhaltigkeit und internationale Beziehungen, Darüber hinaus funktioniere offensichtlich das System des gegenseitigen Vorantreibens unter Kollegen.

Spirale zum Besseren

Beobachter hatten den Eindruck, dass keiner der Teilnehmer mit seinen Ankündigungen deutlich hinter den anderen zurück stehen wollte. Vor allem die Kehrtwende der neuen US-Regierung unter Joe Biden hat dem Gipfel gleich zu Anfang Dynamik verliehen. Alles zusammen addiert, gehen nach einer Analyse des Freiburger Öko-Instituts die geplanten Anstrengungen der USA weiter als die Ankündigungen der EU. Biden hofft darauf, dass die Investitionen in den Klimawandel viele Jobs in seinem Land schaffen. Sein Slogan lautet: „Wenn ich an Klimaschutz denke, denke ich an Jobs.“ Diese Arbeitsmarkt-Effekte werden ihm wahrscheinlich helfen, seine Klimapolitik gegen die große Minorität von US-Bürgern mit öko-skeptischer Gesinnung durchzusetzen.

Unzufriedener Süden

So gut wie hoffnungslos ist hingegen die Situation in den Entwicklungsländern. Auf der Konferenz blieb ihren Vertretern nicht viel mehr als gewohnte Rolle der Bittsteller. Die Kombination von Covid-19-Folgen und Klimaschutzlasten bürdet den armen Nationen eine wachsende Schuldenlast auf. Dabei sind, im Vergleich zu den entwickelten Ländern, die Pro-Kopf-Emissionen an CO2 im Süden extrem gering. So betragen sie in Afrika – die 15 reichsten Staaten wie Nigeria oder Südafrika nicht eingerechnet – zwischen 0,1 und 0,3 Tonnen. Hingegen belaufen sie sich in den USA auf 16 Tonnen. Zwar hat der Initiator des Gipfels, US-Präsident Joe Biden, kürzlich den Kongress gebeten, Klima-Hilfen für arme Länder in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar freizugeben. Doch damit dürften die Armutsländer weltweit nicht weit kommen, obwohl sie in ungleich größerem Maßstab unter den Folgen der Klimakatastrophe leiden.

Mehr: The Guardian