Munic Re
Einen Bezinkanister für den Brandstifter

Im Internet tut Munich Re so, als handle das Unternehmen entschlossen gegen Klimasünder. Doch in der Praxis hat der Münchner Rückversicherungsriese keine Probleme, indirekt Geschäfte etwa mit der polnischen Kohleindustrie zu machen.

Hauptgebäude der Münchner Re in der Münchner Königinstraße: Eidgenossen sind weiter (Foto:Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft)

Nicht nur Papier, auch das Internet ist geduldig. „Der Klimawandel macht entschlossenes Handeln zwingend notwendig, um die Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C gegenüber dem vorindustriellen globalen Temperaturniveau zu begrenzen“, schreibt der Münchner Rückversicherungskonzern Munic Re auf seiner Website. „Hierfür sind neue Technologien bei Stromgewinnung, Transport, Energiespeicherung und industrieller Produktion nötig. Für uns steht daher das Arbeiten an Versicherungslösungen für solche Technologien im Mittelpunkt, um ihnen den Markteintritt zu erleichtern.“ Doch in der Praxis scheren sich die Bayern, die anderen Versicherungsgesellschaften Risiken abnehmen, weniger um die Folgen ihres Geschäfts, als sie der Öffentlichkeit weiß machen.

Stütze für die polnische Kohleindustrieei

So kam vor kurzem heraus, dass Munich Re im Jahr 2020 einer der wichtigsten Rückversicherer der polnischen Versicherung PZU war. die eine entscheidende Rolle für Polens Kohleindustrie spielt. Damit bestätigte sich der Verdacht von Umweltschützern, dass Munic Re zwar seit 2018 die Rückversicherung direkt von Kohlekraftwerken und -minen ausschließt, nicht jedoch die Rückversicherung von Versicherungsgesellschaften, die mit der Kohleindstrie Geschäfte machen. Klimaaktivisten sehen darin mehr als nur ein großes Schlupfloch zugunsten der Kohleindustrie. „Indem Munich Re PZU rückversichert, gibt sie einem Brandstifter einen Benzinkanister an die Hand. Dies ist unvereinbar mit allen Klimaversprechen von Munich Re“, sagt Kuba Gogolewski, Vorstandsmitglied bei der polnischen Anti-Kohle-Organisation „Development Yes – Open-Pit Mines No!“,

Es geht auch anders

Die Schweizer Konkurrentin Swiss Re ist der Münchner Re voraus. Die Eidgenossen haben im März 2021 ihre Kohle-Richtlinie von 2018 verschärft, sodass sie von 2023 auch die indirekte Versicherung der Kohleindustrie à la Munich Re schrittweise ausschließen. „Swiss Re zeigt, dass ein umfassender Ausschluss von Kohle-Rückversicherung möglich ist. Munich Re muss Swiss Re folgen, fordert Regine Richter, Finanzexpertin bei der deutschen Umweltschutzvereinigung urgewald.

Mehr: urgewald