Klimapolitik
Klimaschutz könnte den Ärmsten helfen

Der Kampf gegen die Erderwärmung muss nicht zu Lasten derer gehen, die mehr Energie und Waren benötigen, um aus extremer Armut herauszufinden. Dazu müsste der Klimaschutz nur gerechter organisiert werden.

Überleben im Müll: Die Ärmsten dürfen beim Klimaschutz nicht zugunsten der Reichen verzichten (Foto: billy cenodo / pixabay)

Weniger Fleischkonsum, Verteuerung der Energie, Abschied von der ertrag-, aber düngerreichen Landwirtschaft – so lauten vielfach die Forderungen von Klimaschützern zumeist in den reichen Industrienationen. Dass dadurch die Nahrungs-, Rohstoff- und Lebensmittelpreise steigen, ist nicht selten ein erwünschter Effekt – dass die Zahl der extrem Armen dadurch aber weiter wächst, eher ein Kollateralschaden. Das geht eigentlich nicht und muss erst recht nicht sein, besagt sinngemäß eine Studie Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

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Höhere Preise für die Reichen, mehr Einnahmen für die Armen

Die Grundidee ist einfach. Auf der einen Seite sollte auf den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen wie C02 etwa durch Kohlekraftwerke oder Methan durch Rinderzucht Abgaben erhoben werden. Dass schafft je nach Höhe den Anreiz oder auch Zwang, darauf zu verzichten und nach Alternativen zu suchen. Die Einnahmen daraus werden ungleich verteilt. Die Reichen erhalten so gut wie nichts, die weniger Betuchten und Armen umso mehr, je weniger sie verdienen. PKW-Wissenschaftler und Hauptautor der Studie, Bjoern Soergel, nennt dies “Bepreisung von Emissionen mit einer progressiven Verteilung der Einnahmen.” Auf diese Weise erhielten Geringverdiener eine Art “Klimadividende”.

Kein Widerspruch mehr zwischen Klimaschutz und Armutsbekämpfung

Dieses Prinzip – die Reichen zahlen mehr ein, die Ärmeren erhalten mehr von den Einnahmen – ließe sich auch auf wohlhabende und darbende Nationen anwenden. Dazu müssten die besser gestellten Volkswirtschaften höhere Abgaben auf den Ausstoß von Klimagas bezahlen und diejenigen am unteren Ende der Einkommensskale weniger. Zudem müssten die reichen Ländern den armen einen großen Teil der Einnahmen aus der Abgabe überlassen. „Zusammengenommen könnte dies tatsächlich den Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und Armutsbekämpfung auflösen und in eine Synergie verwandeln”, so PKI-Wissenschaftler Soergel.

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