Nachwachsende Rohstoffe
Soja und Holz – plötzlich ein knappes Gut

Nachwachsende Rohstoffe stehen im Ruf, die ökologisch verträglichere Alternative zu sein. Doch zu viel der Nachfrage schafft ebenfalls Probleme – und lässt die Preise durch die Decke gehen. Darüber freuen sich vor allem Anleger und Spekulanten.

Holzlager Den Reibach machen wenige große Holzhandelskonzerne Foto: HPE

So schnell ändern sich die Zeiten. Orkane, Trockenheit und der Borkenkäfer hatten dem deutschen Wald so zugesetzt, dass die Waldbesitzer nicht mehr wussten wohin mit all dem toten Holz. Vor allem Massen an Fichten stapelten sich an den Wegesrändern; das Überangebot trieb die Preise in den Keller. Um den Sturz zu bremsen und die Forstbetriebe vor dem wirtschaftlichen Ruin zu schützen, begrenzte der Bundesrat den Fichteneinschlag radikal.

So war die Lage vor nicht einmal einem Jahr. Inzwischen hat der Holzmarkt sich um 180 Grad gedreht.

Internationale Holzhandelskonzerne wie Rimbunan Hijau aus Malaysia kaufen alles auf, was sie in die Finger kriegen und verkaufen es vor allem nach China und in die USA an die boomende Baubranche. Seither schießen die Preise für den nachwachsenden Rohstoff in die Höhe. Die Einheit 1000 Board feet (MBF), sie entspricht etwa 2,36 Kubikmetern, wird derzeit für 1500 US-Dollar gehandelt. Ein Plus von 350 Prozent in einem Jahr. Selbst Holz für Paletten und Verpackungen verteuert sich extrem (siehe Grafik).

Steil nach oben Entwicklung der Preise für Paletten und Holzpackmittel Quelle: HPE

20 Millionen Festmeter Rund- und Schnittholz gingen nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Säge- und Holzindustrie 2020 ins Ausland – 80 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Kehrseite des Exportbooms: Hier zu Lande ist Holz so knapp geworden, dass Sägewerke, Dachdecker, Zimmerleute und Schreiner oft Wochen auf eine Belieferung warten müssen. Manche befürchten schon Kurzarbeit wegen des stockenden Nachschubs.

Holzhäuser könnten sich um zehn Prozent verteuern

Die Betriebe geben die Preissteigerungen an die Kundschaft weiter. Klassische Massivbauten könnten nach Angaben der Bauwirtschaft Baden-Württemberg um fünf Prozent teurer werden; Holzhäuser sogar um zehn Prozent.

Weichen Bauinteressenten auf billigere Materialien aus, ist das schlecht fürs Klima. Darauf weist der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) hin. Drei Meter hohe Stützen aus Stahlbeton zum Beispiel verbrauchen nach dessen Berechnungen bei der Herstellung fast vier Mal soviel Primärenergie wie eine aus Holz. Überdies schadet der Transport über Tausende Kilometer nach Asien und in die USA dem Klima zusätzlich.

Der klimagerechte Umbau der Wälder erfordert hohe Investitionen

Gemessen am großen Reibach, den die Exporteure und Holzmultis derzeit machen, profitieren die Waldbesitzer nur wenig von den Preissprüngen. Dabei wären sie auf das Geld dringend angewiesen. Denn Nachpflanzungen und der klimagerechte Umbau der hiesigen Wälder erfordern hohe Investitionen. DFWR-Präsident Georg Schirmbeck fordert einen gerechten Anteil. Andernfalls gelte die Losung: „Stoppt das Sägen, lasst die Bäume stehen.“

Veggie-Boom und Soja-Knappheit

Ähnliche Sorgen wie das Handwerk beim Holz quälen aktuell auch die Produzenten veganer Nahrungsmittel. Der weltweite Veggie-Boom treibt die Nachfrage nach Sojabohnen, Rapsöl, Erbsen und Kartoffeln als Fleischersatz in Burgern und Wurst gerade in die Höhe. Viele Bauern rund um den Globus reagieren darauf mit großen Monokulturen für die Ackerfrüchte, düngen die Flächen wie wild und schützen sie mit Pestiziden gegen Schädlinge. Alles andere als ökologisch vorbildlich.

Wegen des Kahlschlags von Tropenwäldern, um Platz für den Anbau zu schaffen, hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erst jüngst zum Boykott brasilianischen Sojas aufgerufen.

China kauft den Weltmarkt leer

Veganer brauchen nun aber nicht gleich in Sack und Asche zu gehen. Denn weit stärker als der Bedarf für Veggie-Produkte treibt der Einsatz von Soja als Futter vor allem für Schweine Nachfrage und Preise. Die stiegen in kurzer Zeit von 8,50 auf 14,30 US-Dollar pro Scheffel, so die Handelseinheit an den Terminmärkten. Vor allem China kauft derzeit fast den gesamten Weltmarkt leer. Immer mehr Anleger und Spekulanten springen auf die Rally auf und treiben die Kurse weiter.

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