Sonne statt Kohle
Weltgrößter Kohleförderer setzt auf Sonnenenergie

Die Abkehr vom Klimakiller Kohle nimmt weltweit Fahrt auf. Neuestes Indiz: Der staatliche indischen Kohlekonzern Coal India Limited (CIL) baut sein erstes Sonnen-Großkraftwerk und reduziert systematisch seine Abbauaktivität. Ein Hoffnungsschimmer?

Kohleabbau in Indien Kleine Minen schließen und neue werden nicht mehr erschlossen Foto: Coal India

Kohlekraftwerke decken heute rund ein Drittel des globalen Strombedarfs und tragen ebenso viel zu den weltweiten CO2-Emissionen bei – etwa 10,1 Gigatonnen. Also runter mit der Kohleverbrennung waren sich 40 Staats- und Regierungschefs beim jüngsten, von US-Präsident Joe Biden inszenierten virtuellen Klimagipfel einig. Indiens Regierung will da nicht im Abseits stehen.

So darf als gesichert gelten, dass der neue Kurs des staatlichen Kohlegiganten zumindest den Segen von Premierminister Narendra Modi hat. Ein CIL-Sprecher gab jedenfalls in etwas gedrechselten Sätzen bekannt, dass Kohleministerium habe dem Konzern „die Aufgabe übertragen, ein Null-Emissions-Unternehmen zu werden“. Zeitpunkt unbekannt.

Grüner Move Richtung neue Schlüsselenergie

Das wird kein leichtes Unterfangen für den Energieriesen, der mit jährlich 710 Millionen Tonnen so viel Kohle abbaut wie alle Förderer in den USA zusammen. Um seine eigene Energiebilanz ergrünen zu lassen, muss er bis 2024 Solarkraftwerke mit einer Leistung von 3000 Megawatt (MW) bauen – das entspricht der Kapazität von sechs mittelgroßen Kohlekraftwerken.

Ein erster Schritt ist getan. Bei einer Auktion der Energiebehörde des indischen Bundesstaats Gujarat hat CIL jüngst den Zuschlag für eine 100-MW-Anlage erhalten. Selbstlos ist der grüne Move nicht, wie ein führender Manager offen ausspricht: „Solar wird die Kohle als Schlüsselenergie ablösen. Und wir müssen jetzt die Basisarbeit leisten, um im indischen Stromsektor relevant zu bleiben.“ Um das zu schaffen, investiert CIL zusammen mit dem ebenfalls staatlichen Braunkohle-Multi NLC India nach vorläufiger Planung zunächst umgerechnet 1,4 Milliarden Euro in Solarenergie-Projekte.

Auch Erdölproduzent Saudi-Arabien bricht auf ins Solarzeitalter

Parallel schloss das CIL-Management in knapp vier Jahren rund 100 kleinere Minen und stellte die Erschließung neuer Bergwerke und Abbaufelder ein.

Mit Saudi-Arabien stellt sich auch einer der weltgrößten Erdöl- und Erdgasproduzenten auf das solare Zeitalter ein. Dort errichtet – Zufall oder nicht – der indische Mischkonzern Larsen & Toubro (L&T) ein 1 500-Megawatt-Solarkraftwerk. Der Gigant in der Wüste soll Strom für unschlagbar niedrige 1,03 Eurocent die Kilowattstunde erzeugen.

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