Ampel für Finanzanlagen
Berlin will „grünere“ Finanzanlagen

Professionelle Vermögensverwalter achten längst darauf. Jetzt zieht das Bundeskabinett nach. Es will Finanzanlagen und Kapitalströme stärker an nachhaltige Standards knüpfen. Eine Ampel soll Anlegern die Orientierung erleichtern. Grüne üben heftige Kritik.

Grünes Licht für grüne Investments Berlin will ökologisch korrekte Finanzanlagen mit Ampel kennzeichnen
Foto: MissesHippie on Pixabay

Lange hat es gedauert, bis das Berliner Kabinett seine sogenannte Sustainable-Finance-Strategie verabschiedet hat. Ein Kernelement: Eine Ampel soll Investoren auf einen Blick anzeigen, ob eine Finanzanlagen dem Klima und der Umwelt hilft und die Menschenrechte stützt. Grün: Alles klar; rot: Finger weg. In die Entwicklung des Ampelsystems will Bundesfinanzminister Olaf Scholz das Umweltbundesamt einbinden. Der Starttermin ist offen.

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Ausgabe neuer grüner Bundeswertpapiere

Neben der Ampel beschloss die Bundesregierung 25 weitere Maßnahmen, „um Billionen Euro in Richtung Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu bewegen“, so Scholz. Zu den wichtigsten gehören:

  • die Pflicht zu Nachhaltigkeitsberichten für börsennotierte und andere große Unternehmen,
  • die verstärkte Vergabe von Exportbürgschaften und Kredithilfen für grüne Projekte,
  • der Bund selbst will Aktienanlagen von neun Milliarden Euro in Pensions- und Versorgungsfonds entsprechend umschichten,
  • die Ausgabe neuer grüner Bundesanleihen.

Ein erstes solches grünes Wertpapier mit einem Volumen von 6,5 Milliarden Euro gab der Bund im vergangenen September aus. Es löste einen gewaltigen Run aus und war gleich fünffach überzeichnet.

Prinzip Hoffnung statt konkreter Schritte

Die finanzpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Lisa Paus, bezeichnet das Strategiepapier als „enttäuschend“. Weder bekenne sich die Bundesregierung zu einem generellen Ausstieg aus Öl und Gas bei ihren Kapitalanlagen und in der Exportförderung, noch verknüpfe sie die Strategie mit konkreten Klimazielen. Paus: Statt konkrete Schritte vorzulegen, setzt die Bundesregierung auf das Prinzip Hoffnung.“

Noch immer fließen „schockierende“ Summen in die Nutzung von Öl und Kohle

Auf jeden Fall ist Berlin spät dran. Finanz- und Wirtschaftswelt sind – zumindest in Ansätzen – längst in Richtung Nachhaltigkeit unterwegs. Beispielsweise knüpfen börsennotierte Konzerne wie Lanxess und Bayer inzwischen Teile der Vorstandsboni ans Erreichen ökologischer und sozialer Ziele. Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock lenkte 2020 von Januar bis November mit 288 Milliarden US-Dollar fast doppelt so viel Geld in nachhaltige Anlagen wie im Jahr zuvor.

Grund zu befreitem Jubel ist das alles allerdings nicht. Erst kürzlich enthüllte der Report eines globalen Umweltbündnisses, dass die 60 weltgrößten Banken weiter mit „schockierenden Summen“ die Verschmutzung der Erde finanzieren. 3,8 Billionen US-Dollar schaufelten sie seit Abschluss der Pariser Klimaschutzabkommens 2015 in die Nutzung fossiler Brennstoffe.

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