Ostdeutschland
E-Autos haben in den neuen Bundesländern schweren Stand

Der Trend zum E-Vehikel geht an den Autofahrern zwischen Elbe und Oder vorbei. Kommen auf tausend Einwohner in Baden-Württemberg 9,6 Autos mit E-Antrieb, so liegt die Marktdurchdringung in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt nur bei 3,1. Der Grund dafür liegt jedoch nicht in einer traditionalistischen Grundhaltung der Autokäufer in den östlichen Bundesländern, sondern in der regional unterschiedlichen Vertriebs- und Infrastruktur.

Landstraße in Mecklenburg Schöne Straßen ohne Stromer (Erich Westendarp/pixelio)

Bundesweit liegt der Durchschnitt laut einer Berechnung der Deutschen Presse-Agentur bei 7,1 E-Autos auf tausend Bürger. Besonders Autofahrer in Schleswig-Holstein entschieden sich mit 16,5 Prozent aller Autokäufe häufig für ein vollelektrisches oder ein ladbares Hybridfahrzeug. In Baden-Württemberg waren es 16,4 Prozent. Der Kauf von vollelektrischen Autos wird mit je bis zu 9000 Euro gefördert, der von ladbaren Hybriden mit bis zu 6750 Euro. Die Kaufanreize bewogen allerdings in Sachsen-Anhalt mit 8,8 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern mit 9,3 vergleichsweise nur wenige Autofahrer zum Kauf eines E-Autos.

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Die Zurückhaltung im Osten der Republik hat Auto-Experte Stefan Bratzel zufolge vor allem mehrere Gründe:

  • Im Osten gibt es nur wenige große Autostandorte. Mitarbeiterfahrzeuge und Flottenpolitik spielen eine wichtige Rolle, so der Leiter des „Center of Automotive Management“ in Bergisch-Gladbach. Die Konzerne führen häufig über ihre Arbeiter und Angestellten neue Modelle in den Markt ein. Auch die Carsharing-Töchter tragen zur Platzierung neuer Modelle und Trends bei. Bratzel weist darauf hin, dass die höchste E-Autodichte in den Bundesländern herrscht, in denen Automobilkonzerne ihr Hauptquartier haben, zum Beispiel in Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und Bayern.
  • Die Lade-Infrastruktur ist ein weiterer Faktor. Auf einen Quadratkilometer kommt in Mecklenburg-Vorpommern laut Bundesnetzagentur nur eine Ladesäule. In Nordrhein-Westfalen sind es zehn.
  • Nicht zuletzt ist das verfügbare Einkommen ein wichtiger Faktor. In den wohlhabenden Bundesländern in Süddeutschland ziehen die Verbraucher bei neuen Technologien eher mit. Nicht zuletzt seien E-Autos bis vor kurzem meist als Zweitwagen angeschafft worden.

Mehr E-Autos als Diesel

Zwar gab es zum Jahreswechsel in Deutschland nur 590 000 E-Autos, ladbare Hybride eingerechnet. Doch der Anteil bei den Neuzulassungen wächst dynamisch. Im vergangenen Jahr war jeder siebte Neuwagen vollelektrisch oder ein Hybrid mit Stecker. Im April kamen mehr E-Autos als Diesel neu auf die Straße. Bratzel zufolge könnte der Anteil der E-Autos in diesem Jahr ein Fünftel aller PKW-Neuzulassungen ausmachen.

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