Nachhaltige Mode
Beständiger Chic kontra Wegwerf-Mode

Ketten wie Zara und H&M fluten mit minderwertig produzierten Kollektionen Kleiderschränke und Container – ohne Rücksicht auf Umwelt und Arbeitsbedingungen. Eine Handvoll Pioniere stemmt sich gegen den Billigwahn und produziert Mode lieber nachhaltig.

Unterwäsche aus Buchenrinde Zeitlose Alternative zu Fast Fashion Foto: Erlich Textil Katalog

Da ist zum Beispiel das Kölner Startup Erlich Textil, dessen Name schon gewünschte Assoziationen weckt. Sarah Grohé und Benjamin Sadler gründeten den Online-Shop vor fünf Jahren mit einer klaren Vorstellung, so Sadler: „Wir wollten eine Unterwäsche-Alternative, die nicht nach Opa und Oma ausschaut“. Und die bezahlbar ist, obwohl sie etwa aus Bio-Baumwolle oder einer Naturfaser aus Buchenholz gewebt wird.

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Absage an besinnungslosen Konsum

Die Kölner arbeiten ausschließlich mit Familienbetrieben von der Schwäbischen Alb, aus Österreich und in Portugal zusammen, deren Produktionsbedingungen sie gut kennen. Jeder Deutsche kauft laut einer Greenpeace-Studie im Durchschnitt 60 neue Kleidungsstücke im Jahr und trägt diese vier bis sieben Mal, bevor er sie irgendwo im Schrank vergisst. Diesem besinnungslosen Konsum setzt Erlich-Geschäftsführerin Grohé ein Bekenntnis zur Langlebigkeit entgegen: Wir haben ein dezentes und zeitloses Design. Unsere Sachen sollen nicht schnell aus der Mode kommen, sondern lange Freude bereiten.“

Frauen sollten ihre Einstellung zu Kleidung überdenken

Obwohl Käuferinnen für eine schlichte Dreierpackung Slips zum Beispiel schon einmal 33 Euro überweisen müssen, finden die Botschaft Widerhall, wächst der Kundestamm beständig. Vergangenes Jahr versandten die Rheinländer rund 300 000 T-Shirts, Nachtwäsche, Dessous und Boxershorts und nahmen dafür fünf Millionen Euro ein. „Wir sind seit dem dritten Geschäftsjahr profitabel“, berichtet Sadler stolz.

Die Kölner liegen mit ihrer Haltung auf einer Wellenlinie mit dem schwedischen Marke House of Dagmar, geführt von drei Schwestern. Karin Söderlind plädiert an Frauen, ihre Einstellung zu Kleidung zu überdenken. Sie sollten nicht ständig das neueste Teil kaufen, von dem sie wüssten, dass sie sich daran bald sattgesehen hätten. „Der Trend geht in Richtung Styling: Du kannst die Kleidung anziehen, die du schon hast, aber auf unterschiedliche Weise.“

Mehr als den Mindestlohn für ehemalige Hartz4-Bezieher

In Augsburg lebt eine, die ihre Ansprüche an soziales und ökologisches Geschäftsgebaren hoch schraubt wie niemand sonst. Sina Trinkwalder, Gründerin von Manomama, will nicht weniger als die Welt „jeden Tag ein bisschen besser machen“. Die Textilunternehmerin näht Einkaufstaschen für Edeka und dm, ebenso Jeans und Shirts, fertigt außerdem Gürtel und Schmuck. „Alles zu Hundert Prozent ohne schädliche Chemie“, betont sie. Und alle Materialien bis auf die Bio-Bauwollen würden aus der Region bezogen.

In ihrer Manufaktur beschäftigt Trinkwalder 150 Menschen, darunter viele ehemalige Hartz4-Bezieher, die die Agentur für Arbeit schon als untauglich für den ersten Arbeitsmarkt abgeschrieben hatte. Sie bezahlt auch ihnen mehr als den Mindestlohn und passt die Arbeitszeiten, wo immer es geht, an die individuellen Bedürfnisse an. Für dieses Engagement hat sie nie einen Euro staatliche Förderung erhalten – und auch nicht gewollt.

Gegen die Sozialisierung von Verlusten

Um so fassungsloser macht Trinkwalder, dass ein großer Modekonzerne wie Tom Tailor wegen Corona Staatshilfen von 100 Millionen Euro erhalte, obwohl er gar nicht in Deutschland produziere und dem chinesischen Konzern Fosun gehöre. „Wenn wir es verkraften können, dann muss der Rest es doch auch irgendwie verkraften können“, empört sie sich. „Man kann nicht Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren, das geht zulasten der Gesellschaft.“

Mehr: businessinsider

Von Dieter Dürand