Dekabonisierung
RWE und BASF starten Mega-Projekt zur klimaneutralen Transformation der chemischen Produktion

Der Energiekonzern baut in der Nordsee einen Riesenwindpark mit zwei Gigawatt Leistung – der Chemiegigant betreibt mit dem sauberen Strom Anlagen; RWE produziert damit grünen Wasserstoff. Die hiesige Industrie macht Ernst mit dem Einstieg ins nachfossile Zeitalter.

Leuchtturmprojekt zu Dekanonierung industrieller Prozesse Druch auf die Politik Grafik; RWE

Wo die Politik sich derzeit an der Nennung neuer Klimaziele berauscht, ohne konkrete Maßnahmen zu benennen. schafft die Industrie Fakten. Oder „drückt auf die Tube“ wie BASF-Konzernchef Martin Brudermüller sagt. Man darf es getrost als Wink mit dem Zaunpfahl Richtung Berlin interpretieren.

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Leistung von zwei Atomkraftwerken

Das Vorhaben, das Brudermüller mit RWE-Boss Markus Krebber und Unterstützung des Vorsitzenden der Gewerkschaft Bergbau Chemie Energie, Michael Vassiliadis, präsentierte, ist in dieser Form ein Novum: Erstmals konzipieren und finanzieren ein Energieversorger und ein Industriegigant gemeinsam einen Offshore-Windpark. Den sauberen Strom, den die Windräder in der Größenordnung von zwei Atomkraftwerken erzeugen, sichern sich allerdings nahezu komplett die Investoren für ihre Geschäftszwecke. Die privaten Stromkunden gehen weitgehend leer aus, obwohl der Park in ökologisch sensiblen Bereichen der Nordsee entstehen soll und die elektrische Energie über das allgemeine Stromnetz transportiert wird.

Vier Fünftel des Grünstroms fließt von 2030 an direkt nach Ludwigshafen, wo BASF Crackeröfen zum Aufbrechen langer Kohlenstoffketten dann elektrisch betreiben will, so der Plan. Die Umstellung ist Teil des Konzernversprechens, bis 2050 weltweit klimaneutral zu arbeiten. Mit dem letzten Fünftel will RWE in die großtechnische Gewinnung von CO2-freiem Wasserstoff für industrielle Abnehmer einsteigen. Die Essener planen der Bau einer 300 Megawatt Elektrolyseanlage.

Forderung nach Befreiung von der EEG-Umlage

Zu den Kosten des Meereswindparks machten die Konzerne keine Angaben. Laut eigenem Bekunden wollen sie keine öffentliche Förderung in Anspruch nehmen, üben aber Druck auf die Politik aus. Sie müsse weit früher als vorgesehen neue Offshore-Gebiete in der Nordsee ausweisen, damit die Unternehmen die konkrete Planung starten könnten. Und sie fordern, den Grünstrom von der EEG-Umlage zur Förderung regenerativer Energien zu befreien. Politisch akzeptabel wäre die Umsetzung nur, wenn alle Stromproduzenten, also auch etwa die Betreiber private Photovoltaikanlagen auf dem Dach, die Umlage nicht mehr zahlen müssten.

Neben BASF und RWE forcieren auch andere große deutsche Industrieunternehmen ihre Anstrengungen zur Dekabonisierung ihrer Produktion. Die Mainzer Schott AG testet grünen Wasserstoff bei der Glasschmelze als Ersatz für Erdgas. Martina Merz, Vorstandschefin von Thyssenkrupp, versprach jüngst den Aktionären des angeschlagenen Stahl- und Industrieunternehmens, die Essener könnten mit der Produktion von Wasserstoff „zurück in die Erfolgsspur“ finden,

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