Zugvögel
Klimawandel bringt Störche und Schwalben in Not

Intensive Landwirtschaft, verschobene Jahreszeiten, Pestizide: Gleich ein ganzes Bündel an verschlechterten Umweltbedingungen bedroht den Bestand vieler Zugvogelarten.

Storchenpaar auf seinem Nest
Storchenpaar auf seinem Nest Nachwuchs wird zur Rarität Foto: blickpixel on Pixabay

Störche gehören seit Jahrhunderten fest zur brandenburgischen Kulturlandschaft. Doch der Bestand der Tiere schrumpft Jahr für Jahr. Im berühmten Storchendorf Rühstädt an der Prignitz brüteten vergangenes Jahr statt früher weit mehr als 100 nun noch 30 Paare. Und statt der für den Fortbestand notwendigen zwei, zogen sie nur jeweils einen Jungvogel auf. Bürgermeister Jürgen Herper fürchtet den Verlust einer Touristenattraktion – und eines unersetzlichen Naturguts.

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Biologin Krista Dziewiaty kennt die Gründe für den Schwund: Monokulturen aus Energiepflanzen wie Mais, trocken gelegte Feuchtgebiete und Hitzesommer verkleinern beständig das Nahrungsangebot. Es reicht gerade noch für die Aufzucht eines Nachkömmlings.

Die besten Brutplätze sind schon belegt

Überall in ihren klassischen Brutgebieten gerieten Zugvögel wie der Storch in Bedrängnis, melden Ornithologen landauf, landab. Besonders betroffen sind die sogenannten Langstreckenzieher wie Braunkehlchen, Rauchschwalbe, Kuckuck, Mauersegler oder eben Störche, deren Winterquartiere mehr als 4000 Kilometer entfernt liegen. Wenn sie aus der Ferne in ihren angestammten, aber ständig schrumpfenden Brutgebieten eintreffen, haben näher überwinternde Arten die besten Plätze längst besetzt. Mönchsgrasmücke und Zilpzalp zum Beispiel kehren immer zeitiger heim, seit der Frühjahr wegen des Klimawandels um Wochen früher startet.

Auf Helgoland sank die Ankunft von Langstreckenziehern seit 1960 um mehr als 60 Prozent. Gut die Hälfte aller Zugvogelarten steht inzwischen auf der Roten Liste.

Pflanzenschutzmittel rauben der Zugvögeln den Appetit

Weitere Entwicklungen verschärfen die Lage zusätzlich. Der Klimawandel verschiebt das jahreszeitliche Nahrungsangebot, das dadurch immer weniger zur Reiseplanung der Zugvögel passt. Hinzu kommt der mitunter massive Pestizideinsatz auf Feldern entlang der Flugroute. Die Pflanzenschutzmittel rauben den gefiederten Tieren den Appetit. Sie verlieren Gewicht und brauchen länger für den Weiterflug.

Die Ökologin Damaris Zurell von der Universität Potsdam hat die vielfältigen Stressfaktoren einer Risikoanalyse unterzogen. Das Ergebnis stimmt wenig hoffnungsfroh: „Bisherige Untersuchungen unterschätzen die Gefährdung der Vögel um 50 Prozent“, schlägt sie Alarm.

Mehr: Berliner Zeitung