Verrückt oder genial?
Elektroauto als Selbstbausatz

Ein junger US-Designer vereint die Ikea-Philosophie mit Renaults Elektro-Know-how und entwirft ein Elektroauto, das jeder Laie selbst zusammenschrauben kann.

Computeranimation des „Höga“ Bausatz aus 374 Teilen Foto: gq-magazin

Der Erfinder heißt Ryan Schlotthauer. Er war auf der Suche nach einer guten Idee für seine Abschlussarbeit am College for Creative Studies in Detroit, jahrzehntelang Epizentrum der US-amerikanischen Automobilindustrie. Und dann hatte er sie: Ein Elektroauto ohne Schnickschnack, das seine Insassen aus den Vororten der Metropolen, wo das Wohnen noch bezahlbar ist, klimaunschädlich zu ihren Jobs in den Zentren bringt, wollte er entwerfen. Und damit jeder es sich leisten kann, sollte es zur Selbstmontage ins Haus geliefert werden.

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Einfach, sinnstiftend, zweckmäßig

Was liegt da näher, dachte sich Schlotthauer, als die bewährten Baukasten-Prinzipien des schwedischen Möbelhauses Ikea mit den einfach gehaltenen elektrischen Antriebskomponenten des französichen Autokonzerns Renault zu vereinen. Und er mischte eine Prise der Gestaltungs-Philosophie der deutschen Bauhaus-Kunstschule unter: einfach, sinnstiftend, zweckmäßig, oder: Form follows function.

Außerdem soll die Öko-Kiste komplett wiederverwertbar sei. „Es ist wertlos, heute ein Auto zu entwerfen, das auf dem Schrottplatz landet”, findet der Jung-Designer.

E-Zwerg für 5300 Euro

Herausgekommen ist ein Bausatz aus 347 Teilen. Um sie zum Höga, schwedisch für: groß, getauften E-Mobil zusammenzufügen, brauche niemand Spezialwerkzeug anzuschaffen – der heimische Werkzeugkasten genüge, versichert Schlotthauer. „Groß“ kann nur ironisch gemeint sein, denn der E-Zwerg ist gerade einmal 1,8 Meter hoch und 2,3 Meter lang. Der Zweisitzer hat vier Räder, seine Karosserie besteht aus traditionellen Materialien.

Und wieviel würde der Höga kosten? Schlotthauer hat mal grob überschlagen und ist auf umgerechnet 5300 Euro gekommen, für die das Selbstbau-Modell in den Verkauf gehen könnte. Das ist nicht viel weniger als der Preis, der für den Elektro-Zweisitzer des polnischen Startups Triggo im Netz kursiert – nämlich 6900 Euro. Und der existiert nicht nur als Prototyp, sondern soll noch dieses Jahr in Serie gehen.

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