Hornissen
Drei Stiche töten einen Menschen. Sieben ein Pferd. Wirklich?

In den vergangenen Tagen und Wochen waren sie immer wieder zu sehen, die etwa 3,5 Zentimeter großen Hornissen-Königinnen auf der Suche nach einem Nestbauplatz. Wie andere Tiere haben auch die Hornissen die Vorzüge der Stadt entdeckt. Gern nisten sie sich in Rollladenkästen, in Hohlräumen unter dem Dach oder am Balkon ein. Sind die schönen Viecher wirklich so gefährlich wie ihr Ruf?

Hornisse im Frühjahr Groß und lieb (Pixabay/Mylene2401) 

Tatsächlich braucht es 500 bis 1000 Hornissenstiche, um einen Menschen zu töten. Allerdings sind die Stiche schmerzhafter als Bienen- oder Wespenstiche. Der Stachel der Hornisse ist länger und das Gift enthält mehr Schmerzstoffe. Nur bei Allergien oder bei Stichen im Rachenraum drohen Gefahren. Abgesehen davon ist das Gift der Hornissen mit dem von Bienen und Wespen vergleichbar. Doch anders als Wespen sind Hornissen an Süßem nicht interessiert und stören nur Ängstliche bei Kaffee und Kuchen. Hornissen greifen Menschen dann an, wenn das Nest bedroht ist. Sie sind scheuer als Honigbienen. Wenn es Ärger gibt, suchen sie meist das Weite.

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Wespenfreie Zone

Als Nachbarn bieten sie einen unschätzbaren Vorteil: Sie ernähren ihre Brut mit Wespen, Fliegen Heuschrecken, Käfern und Raupen und sorgen dafür, dass Plagegeister wie Wespen uns nicht zu sehr belästigen. Im Gegensatz zu Bienen oder Wespen sind Hornissen allerdings auch nachtaktiv. Sie sammeln sich deshalb bei beleuchteten Terrassen oder Balkonen häufig an der Lichtquelle an.

Gewöhnlich sind die Königinnen zwischen Anfang und Mitte Mai auf Nestplatzsuche. In kälteren Frühjahren wie in diesem Jahr kann es auch etwas später werden. Will man die Einnistung in Rollladenkästen verhindern, empfiehlt sich der regelmäßige Gebrauch der Rollladen. Hat sich das Volk am Haus eingenistet, darf es keinesfalls vernichtet werden. Hornissen stehen unter Naturschutz. Wer Hornissennester zerstört, riskiert Strafen von bis 50 000 Euro. Nur in seltenen, kritischen Fällen genehmigen die Naturschutzbehörden die Umsiedlung von Hornissennestern. In der Regel reichen von Fachleuten angebrachte Absicherungen, Flugumleitungen durch Fliegendraht oder Blenden aus Plastik.

Werden und Vergehen

Die suchende Königin ernährt sich im Mai vornehmlich vom Saft verletzter Bäume. Hat sie einen Nistplatz gefunden, baut sie die ersten Zellen. Schon nach wenigen Tagen können bis zu 50 weitere Zellen entstehen. In jede wird ein Ei abgelegt. Anfang Juli schlüpfen dann die ersten Arbeiterinnen. Sie haben eine Länge von 18 bis 25 Millimeter. In ihrem kurzen Leben von nur drei bis vier Wochen nehmen sie der Königin fast alle Aufgaben ab.

Ab den ersten Tagen des Junis verlässt die Königin selten das Nest. Sie kümmert sich nur noch um das Eierlegen. Bis Ende August bis Mitte September wächst das Volk auf 400 bis 700 Tiere an. Wenn zu eng wird im Bau, kann es im Juli oder August passieren, dass das Volk sich einen neuen Nistplatz sucht oder aufspaltet.

An einem warmen Herbsttag schwärmen dann die befruchteten Tieres aus und sammeln sich in Nähe des Nestes zur Paarung. Die jungen Königinnen suchen sich – frisch befruchtet – nun einen Unterschlupf für den Winter. Die alte Königin und die Arbeiterinnen sterben spätestens beim ersten Nachtfrost. Das Leben im Nest hört auf. Im Mai darauf geht es dann wieder los: Eine Königin sucht…

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