Ökolomie
Ehrliche Preise und Steuern sollen Milliardenschäden an der Umwelt ausgleichen

Die ungedeckte Rechnung an Wirtschaft und Verbraucher beträgt je nach Schätzung jährlich zwischen 455 und 671 Milliarden Euro. Diese sogenannten externalisierten Kosten entstehen durch Luftverschmutzung, Gülleausbringung oder Plastikmüll. Nur 107 Milliarden Euro, ein Bruchteil der Kosten, tragen die Verursacher durch bereits existierende Umweltabgaben. Volkswirte fordern daher, dass sich die Höhe der Öko-Gebühren an den tatsächlichen Schäden orientiert.

Umweltkosten Eltern haften (nicht) für ihre Kinder (www.ceus-design.de)

„Die Umwelt- und Gesundheitsschäden werden letztlich von allen getragen, wir machen diesen Verlust unseres Wohlstands nun sichtbar“, ist die Meinung von Matthias Kalkuhl, Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Wirtschaftswachstum und menschliche Entwicklung. Kuhl ist einer von acht Forschern des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC in dem insgesamt 21-köpfigen Team. Die Untersuchung über die externalisierten Umweltkosten entstand im Rahmen des im Juli 2020 gestarteten Kopernikus-Forschungsprojekts Ariadne zur Energiewende. Neben dem MCC arbeiten weitere 24 Partner an dem Projekt.

ANZEIGE

In die eigene Tasche

Die von den Verursachern weitgehend unbezahlten Folgekosten wirtschaftlicher Aktivität und von Konsum machen 13 bis 19 Prozent des deutschen Bruttosozialprodukts aus. Weil nur ein Bruchteil davon besteuert ist, fehlt vielfach der Anreiz zum Einsparen von Ressourcen. Würden diese Externalitäten konsequent besteuert, würden allein in Deutschland zusätzliche jährliche Einnahmen in Höhe von 348 bis 564 Milliarden Euro erzielt. Das entspricht 44 bis 71 Prozent des Steueraufkommens. Die Befürchtung, dass die Abgaben zu einer sozialen Schieflage führen, hegen die Autoren nicht. „Durch Steuersenkungen, direkte Rückerstattungen an die Menschen oder gezielte Transfers für besonders betroffene Haushalte hat die Politik viel Handlungsspielraum, um eine derartige Steuerreformen sozial gerecht ausgestalten“, sagt Christina Roolfs vom MCC.

Quelle: Ariadne

Die Generierung zusätzlicher Einnahmen ist jedoch nicht das Hauptziel fairen Umweltabgaben. Schon in den zwanziger Jahren hatte der englische Volkswirt Arthur Cecil Pigou erläutert, dass Wohlstandsgewinne durch die Bepreisung von externalisierten Kosten möglich sind. Die Bepreisung hat stets einen Doppeleffekt: Sie führt zu Einnahmen und setzt Anreize. Deutschland ist von effizienten Pigou-Steuern jedoch weit entfernt. Die aktuellen Einnahmen durch CO2-Preise, LKW-Maut oder Energiesteuern decken nur ein Viertel der externen Kosten ab.

Quelle: Ariadne

Die am Projekt beteiligten Wissenschaftler sehen vorrangig vier Reformbaustellen:

  • Anhebung der CO2-Preise,
  • Bepreisung von Umweltkosten in Landwirtschaft und Flächenverbrauch,
  • weitgehende Reduktion der Abgaben und Steuern auf Strom,
  • Ausweitung des Mautsystems verbunden mit möglichen Senkungen der Energiesteuern.

Damit die Abgaben ihre Lenkungs- und Wohlstandswirkung entfalten könnten, sei jedoch zusätzlich eine umfassende Finanz- und Steuerreform notwendig.

Mehr: MCC Berlin