Ernährung
Gut 60 Prozent aller Nestlé-Lebensmittel sind ungesund

Der Lebensmittelkonzern Nestlé hat ein Problem: Einem internen Papier zufolge sind mehr als 60 Prozent aller Produkte ungesund, weil sie zu viel Zucker, Salz oder ungesunde Fette enthalten. Zum Marken-Claim „Good Food, Good Life“ passt das nicht.

Nestlé-Schokoriegel Viele Produkte passen nicht zum Marken-Claim (Steve Buissinne/Pixabay)

Der Lebensmittelkonzern Nestlé erwirtschaftet knapp 85 Milliarden Euro Jahresumsatz und ist damit das größte Industrieunternehmen der Schweiz. Es wirbt mit dem Slogan „Good Food, Good Life“. Aber in der Realität wird der im Schweizerischen Vevey am Genfer See ansässige Produzent so bekannter Marken wie Nescafé, Vittel-Mineralwasser, Schöller-Eiscreme, Maggi-Soße oder After Eight diesem hehren Anspruch nicht gerecht. Einem internen Papier zufolge erfüllen mehr als 60 Prozent aller Speisen und Getränke nicht die „anerkannte Definition von gesund“, wie es in einer bislang nur an Führungskräfte verteilten Präsentation heißt, über die die Financial Times und das Manager Magazin berichten.

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Gesunde Ernährung und der Kampf gegen Fettleibigkeit sind Unternehmensziele

Wie es in dem Bericht heißt, erreichen lediglich 37 Prozent aller Nestlé-Lebensmittel und -Getränke mindestens 3,5 von 5 möglichen Sternen beim australischen „Health Star Rating“. Das gilt als international anerkanntes Bewertungssystem für Lebensmittel und deren Einfluss auf die Gesundheit. Ab einer Bewertung von mindestens 3,5 Sternen stuft Nestlé die eigenen Produkte als „gesund“ ein. Besonders schlecht schneiden dem internen Papier zufolge Süßigkeiten und Getränke ab.

Nur die Hälfte des Umsatzes werden in dem Papier berücksichtigt

Wie Financial Times und Manager Magazin berichten, wird bei der Gesundheitsbewertung nur rund die Hälfte des Nestlé-Umsatzes berücksichtigt. Produktgruppen wie Babynahrung, Tierfutter oder Spezialnahrung für Menschen mit Krankheiten wurden nicht untersucht. Dennoch sind die Zahlen für den Konzern ein Problem, weil gesunde Ernährung und der Kampf gegen Fettleibigkeit zu den Unternehmenszielen zählen.

Nestlé hat sich damit politische Ziele etwa der Weltgesundheitsorganisation WHO zu eigen gemacht und nutzt dieses Engagement zu Werbezwecken – gern auch mit Politikern wie Julia Klöckner, der Bundesministerin für Landwirtschaft und Ernährung. Vor zwei Jahren hatte Klöckner den Konzern in einem gemeinsamen Videoauftritt mit Nestlé-Deutschland-Chef Marc-Aurel Boersch wegen seiner Gesundheitsziele ausdrücklich gelobt.

Seit 2017 werden die selbstgesetzten Ziele zur Zucker- und Salzreduktion verfehlt

Tatsächlich habe das Unternehmen den Anteil an Zucker und Salz in den Produkten in den beiden vergangenen Jahrzehnten um rund 15 Prozent reduziert, so das interne Papier. Seit 2017 wurden die selbst gesteckten Ziele aber meistens verfehlt. Beim Zuckergehalt wurden in diesem Zeitraum nur 4,5 statt der angestrebten 5 Prozent Reduzierung erreicht. Bei Salz sogar nur 3,8 statt 10 Prozent.

Dass Nestlé die selbst formulierten Gesundheitsziele immer wieder verfehlt, ist letztlich eine Folge der Unternehmensstrategie: Die Aktionäre erwarten jedes Jahr Milliardenumsätze und -gewinne. Ohne das Massengeschäft und Junkfood mit hohem Zucker-, Salz- und Fettgehalt ist das nicht zu schaffen. Laut Financial Times will das Nestlé-Management noch in diesem Jahr entscheiden, was der Konzern tun kann, um den eigenen Ansprüchen hinsichtlich der Qualität der Produkte besser gerecht zu werden.

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