Böden
Wie wir unsere Landschaft mit Plastik verseuchen

Deutschlands Böden sind stärker mit Plastik verseucht als die Weltmeere. Jahr für Jahr landen 19 000 Tonnen Kunststoff auf Äckern und Weiden – und bleiben dort auf ewig. Die ästhetisch störenden Folien und Netze machen dabei nur einen kleinen Anteil aus. Der größte Eintrag kommt über den Klärschlamm, Düngemittel, Komposte und Verwehungen von außen.

Idyllisches Landleben Plastik, Plastik über alles (Nabu)

Allein Dreiviertel der Gesamtverseuchung geht auf die Düngung zurück. Hier ist die Landwirtschaft Leidtragende der Verschmutzung durch Außeneinflüsse wie Plastik in der Biotonne, Reifenabrieb oder Textilfasern im Abwasser. Pro Hektar und Jahr schlucken Deutschlands Äcker und Weiden 1,1 Kilogramm Kunststoff. Dies sind die Ergebnisse einer Studie über den Plastikeintrag in landwirtschaftliche Böden des Fraunhofer UMSICHT und des Instituts für Ökologie und Politik (Ökopol) im Auftrag des Naturschutzbundes NABU.

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Der Großteil des Plastiks wird unmittelbar in den Boden eingetragen. Zu diesen Einbringungen gehören die erwähnten Kunststoff-Verschmutzungen im Klärschlamm, in Komposten und Gärresten oder als Bestandteil von Düngemitteln und Bodenverbesserern, Pflanzenschutzmitteln oder Saatgut. Der Teil, der nicht aktiv eingebracht wird, ist für Laien zwar sichtbarer, aber deutlich kleiner. Dazu gehören Agrarfolien zum Wetterschutz sowie Folien und Netze für die Verpackung. Doch können auch diese Folien unter Licht- und Temperatureinfluss schnell reißen oder in kleine Teile zerbröseln und so in die Böden gelangen.

Wachsende Plastikhalden auf Höfen

Dramatisch ist der Blick auf die Vermüllung von Höfen und Gartenbetrieben auf längere Sicht. So rechnen die Fraunhofer und Ökopol-Forscher am Beispiel der Verbrauchskunststoffe für Folien, Netze, Behälter oder Entwässerungsrohre vor, dass bei einer Verbrauchsmenge von über einer Million Tonnen Kunststoffen und einem Verbleib von 47 Prozent bei 270 000 Betrieben pro Jahr zwei Tonnen Plastik in jedem Betrieb verbleiben oder durch den Verkauf verteilt werden.

Unter der Annahme, dass die Mengen, die die Betriebe über Produkte wieder abgeben, zu vernachlässigen sind, ergäbe sich pro Hof eine durchschnittliche Kunststoff-Ansammlung von 100 Tonnen. Umgerechnet auf die landwirtschaftliche Fläche kommen so pro Hektar 1600 Kilogramm zusammen. „Vor diesem Hintergrund wäre eine empirische Bestandsaufnahme zum Kunststoffverbleib in der Landwirtschaft durchaus sinnvoll“, schreiben die Forscher.

Bis heute gäbe es kaum eine Möglichkeit, die verschlungenen Wege der Kunststoffe während und nach der Nutzung zu erfassen. Aus einer solchen Makrobilanz, so betonen die Forscher, ließen sich kaum belastbare Aussagen über die emittierten Mengen ableiten. Mit der stetigen Zunahme des Kunststoff-Volumen in den Landwirtschaftsbetrieben wachse aber mit Sicherheit das Potential für Emissionen durch Alterung oder Verwitterung.

Bislang sei die Verseuchung der landwirtschaftlichen Umwelt – und hier insbesondere der Böden – von Forschung recht stiefmütterlich behandelt worden, schreiben die Autoren in der Einleitung ihres Berichtes. Dies sei um so erstaunlicher, als dass bisherige Untersuchungen davon ausgehen, dass die Plastik-Verseuchung der Böden bis zu 32-mal so hoch wie die der Meere sei.

Mehr: Fraunhofer Ökopol