Rohstoffe
Volkswagen und Tesla drängt es zum Bergbau

Die Verknappung von Materialien wie Lithium oder Kobalt zwingt E-Autobauer, selbst in die Rohstoffgewinnung einzusteigen. Tesla hat sich bereits Abbaurechte in Nevada gesichert. Aber auch Volkswagen denkt über das Minen-Business nach. Nicht zuletzt geht es auch um das Image als Öko-Saubermann.

Erzhalde Knappe Rohstoffe bereiten Konzernen Sorge (Knollzwl/Pixabay)

Im Juni 2019 hatte Tesla-Gründer Elon Musk verkündet: „Je stärker wir die Batterieproduktion hochfahren, desto tiefer müssen wir in die Lieferketten einsteigen.“ Und er machte keinen Hehl daraus, dass es nicht um Kleber oder Dichtmittel ging: „Wir könnten ins Minengeschäft einsteigen, zumindest ein bisschen.“

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Inzwischen investiert Tesla in eine Lithium-Mine in Nevada und das nicht nur „ein bisschen“. Der E-Autobauer will in dem Wüstenstaat lithiumhaltige Tone abbauen und das wertvolle Leichtmetall umweltfreundlich auswaschen. Damit macht sich Tesla unabhängig von problematischen Lieferungen aus Entwicklungsländern. Zusätzlich ist Tesla am Nickel-Abbau im französischen Südsee-Paradies Neukaledonien beteiligt – allerdings nicht finanziell. Der E-Autobauer begnügt sich dort mit einer „industriellen und technischen“ Partnerschaft.

Treffen mit Glencore

Bereits ein halbes Jahr vor der Ankündigung von Elon Musk hatte Stefan Sommer, seinerzeit Volkswagen-Vorstand für Beschaffung, der Automobilwoche verraten: „Wenn es notwendig werden sollte, dann gehen wir auch in diese Industrien hinein, eventuell sogar in Form von Beteiligungen.“ Die Versorgungssicherheit sei ein extrem wichtiges Vorhaben.

Kurz darauf hatte es sogar ein Treffen mit dem Schweizer Bergbau-Konzern Glencore gegeben. Zwar ging dabei noch nicht um einen Einstieg der Wolfsburger, doch um eine langfristige Zusammenarbeit. Mit dem Deal hätte sich Volkswagen über Jahre stabile Preise bei der Kobalt-Beschaffung gesichert. Zu echten Verhandlungen kam es nicht. Volkswagen wollte sich nicht so lange zu hohen Preisen binden.

Harte Sachen

Jetzt denken die Wolfsburger wieder verschärft über mögliche Bergbau-Investments nach. Erst gestern sagte Technik-Vorstand Thomas Schmall dem Handelsblatt: „Wir müssen aktiv ins Rohstoffgeschäft einsteigen.“ Wie seinerzeit Musk machte auch er klar, dass es dabei nicht um Materialien wie Gummi oder Plastik geht, sondern um härtere Sachen: „Wir sehen uns die gesamte Prozesskette von der Mine bis zum Recycling an.“

Der Bedarf der Autobauer ist enorm. Ein E-Auto braucht viermal so viel Kupfer wie ein Verbrenner und pro Antriebsbatterie etwa zehn Kilogramm Kobalt. Die Preise für die begehrten Metalle schießen nach oben. Kupfer verteuerte sich in den vergangenen zwölf Monaten um 89 Prozent, Der Nickelpreis stieg um 43 Prozent. Und mit wachsender E-Mobilität wird die Nachfrage nach den raren Stoffen weiter steigen. Liegt der jährliche Verbrauch von Lithium zurzeit bei 429 000 Tonnen jährlich, wird er im Jahr 2030 bei 1,8 Millionen Tonnen liegen.

Keine Blutbatterien

Die Autobauer treibt auch die Sorge um, dass der Ruf des E-Autos als ethisch-ökologisches Vorzeigeprodukt leiden könnte. Der typische E-Autofahrer gehört zum gut verdienenden, umwelt- und sozialbewussten Bürgertum. Wenn diese Klientel sich dafür rechtfertigen müsste, dass ihre Autos von Blutbatterien versorgt werden, in denen Kinderarbeit und Umweltfrevel steckt, könnte der E-Auto-Hype für längere Zeit pausieren.

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