Piepmätze
Vogelzählung: Vegetarier auf dem Vormarsch, Insektenfresser bedroht

Einige Arten, die in den vergangenen Jahren stark gelitten hatten, wie Amsel oder Blaumeise, haben sich erfreulich erholt. Gelitten haben insektenfressende Vögel wie Mauersegler, Mehlschwalbe oder Trauerschnäpper. Dies zeigen die Ergebnisse der diesjährigen Aktion „Stunde der Gartenvögel“, die jetzt bekannt gegeben wurden.

Mehlschwalbe Nahrung und Nistplätze sind knapp (Foto: NABU)

An der von Naturschutzbund NABU und dem in Bayern beheimateten Landesbund für Vogelschutz (LBV) veranstalteten Zählung nahmen in diesem Jahr über 140 000 Menschen teil. Aus über 95 000 Gärten und Parks wurden über 3,1 Millionen Vögel gemeldet.

ANZEIGE

Das in diesem Frühjahr wechselnde und ungewöhnlich kalte Wetter hat den Vögel wenig ausgemacht. Im Gegenteil: Einige Arten profitierten davon. So kam die Amsel dank des häufigen Regens besser an ihre Lieblingsspeise, den Regenwurm. Die Amselbestände hatten sich zwischen 2017 und 2019 aufgrund einer Virusepidemie, der sogenannten Usutu-Krankheit, um ein Drittel vermindert. Auch die Blaumeise, Sorgenkind der Vogelfreunde im vergangenen Jahr, scheint sich in ihren Beständen gut erholt zu haben. Im Frühjahr 2020 hatte der bakteriellen Erreger Suttonella ornithihocola ein Massensterben ausgelöst. Erfreulich ist auch die Entwicklung von ursprünglichen Waldvögeln wie Ringeltaube und Buntspecht, die sich zunehmend in Gärten sehen lassen.

Zu wenig Nahrung

Großer Gewinner der diesjährigen Zählung ist der Stieglitz. Die Zahl der Beobachtungen war doppelt so hoch wie zu Beginn der Zählungen im Jahre 2005. Als einer der wenigen Singvögeln ernährt der Stieglitz seine Jungen nicht mit Insekten, sondern vegetarisch. Das häufigere Stieglitz-Vorkommen ist kein Zufall. Vegetarier im Vogelreich wie die erwähnten Stieglitze, Ringeltauben oder Gimpel und Kernbeißer haben allesamt erheblich zugelegt.

Für die Insektenfresser kann das nicht behauptet werden. Vor allem die Mehlschwalbe, der Mauersegler, Trauer- und Grauschnäpper sowie das Rotkehlchen wurden seltener beobachtet. Sie leiden unter dem Rückgang der Insektenfauna und mangelnden Nistplätzen. Die beste Hilfe für die Sorgenarten ist laut NABU eine Gartengestaltung, die Lebensräume für Insekten schafft. So könne zum Bespiel die Pflanzung von heimischen Laubgehölzen oder die Anlage von Flächen mit Wildpflanzen das Vorkommen von Insekten begünstigen.

Lebensraum Garten So finden Vögel Nahrung und Nistplätze (NABU)

Die Aktion „Stunde der Gartenvögel“ gewinnt zunehmend Freunde. Noch vor zwei Jahren hatten sich nur 60 000 Vogelbegeisterte, weniger als die Hälfte der diesjährigen Aktivistenzahl, beteiligt. Nach Meinung von NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller ist die wachsende Teilnahme eine mögliche Folge der Corona-Pandemie: „Die Corona-Krise hat unsere Sicht auf die Dinge verändert. Für die Natur ist es gut, wenn ein gewachsenes Interesse und die Freude an der Vielfalt vor der Haustür dazugehören.“

Mehr: NABU