Glyphosat
Vier Behörden loben Glyphosat über grünen Klee

Die zuständigen Behörden in vier EU-Ländern sehen keine Gesundheitsgefahren durch das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Kippt das Ende der Zulassung bis Dezember 2022 oder greift ein Hintertürchen?

Pflanzengift aus vollen Rohren: Bewertung für menschliche Gesundheit noch nicht abgeschlossen (Foto: Erich Westendarp / pixabay)

In den USA toben weiter Tausende Schadenersatzklagen gegen den deutschen Bayer-Konzern, weil dessen Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat krebserregend sei. Der Chemieriese aus Leverkusen bestreitet das. Er hatte 2018 den US-Wettbewerber Monsato übernommen, der das weit verbreitetete Herbizid seit Jahrzehnten unter der Bezeichnung „Round up“ herstellte. Eine Milliarden Euro teure Einigung mit den Klägeranwälten kam nicht zustande, weil die US-Justiz dem Deal bis heute nicht traut. Bayer-Chef Werner Buchmann und sein damaliger Aufsichtsratschef Wenning haben durch die Aktienkursverluste wegen der Monsanto-Übernahme und der Glyphosat-Klagen so viel Aktionärsvermögen vernichtet wie keine Konzernspitze vor ihnen.

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Einstimmiger Persilschein

Offenbar völlig unbeeindruckt von den bisherigen Niederlagen des Bayer-Konzerns vor US-Gerichten haben jetzt die zuständigen Behörden aus vier EU-Ländern (Frankreich, Ungarn, Schweden, Niederlande) einen Entwurf für einen Bericht verfasst, der Glyphosat praktisch von allen Gefahren für die menschliche Gesundheit einstimmig freispricht. Das umstrittene Herbizit sei nicht krebserregend, unschädlich für das Erbgut, ungiftig für die Fortpflanzung, ungefährlich für den Hormonhaushalt und schädige keine Organe – kurzum: in allen beantragten Einsatzgebieten sicher. In Auftrag gegeben wurde der Bericht von der EU-Kommission. Denn diese sowie der EU-Ministerrat und das EU-Parlament müssen bis zum 15. Dezember 2022 entscheiden, ob die bis dahin gültige Genehmigung für Glyphosat verlängert wird.

Bewertung für Verbrauchergesundheit nicht abgeschlossen

Der Landwirschaft nahe stehende Kreise spekulieren schon, dass der Persilschein der vier Behörden das drohende Aus von Glyphosat in der EU verhindern könnte. Kritiker monieren, dass die bisherige Genehmigung auf Studien beruhten, die in mindestens einem Fall indirekt von Monsanto lanciert worden seien. Vor diesem Hintergund fällt auf, dass die vier staatlichen Gutachter sich ein Hintertürchen offen gehalten haben. Denn für zwei Anwendungsfälle schlagen sie niedrigere Grenzwerte vor, um die Landwirte besser vor Glyphosat zu schützen. Zudem sollten weitere Versuche angestellt werden, um zusätzliche Daten über Glyphosat-Rückstände in Folgekulturen zu erheben. Für die Verbrauchergesundheit ist die Bewertung also nicht abgeschlossen.

Alternativen zu Glyphosat werden derzeit erprobt.

Mehr: agrarheute

nicht reproduktionstoxisch (Reproduktionstoxizität),

nicht organschädigend (Zielorgan-Toxizität) undfür den Hormonhaushalt nicht gefährlich (kein endogener Disruptor).