Photovoltaik
Solarzellen kostengünstiger als Kohlemeiler

Es ist passiert: Solarzellen erzeugen etwa seit dem Jahreswechsel in so wichtigen Märkten wie Deutschland und China Strom kostengünstiger als Kohle- und Gaskraftwerke. Doch der noch frische Vorsprung ist in Gefahr.

In Deutschland um 35 Prozent kostengünstiger als Kohlemeiler: Stromgewinnung mit Solarzellen (Foto: Bruno Germany.

Der US-Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg ist bekannt für seine knallharten Zahlen, die er den Lesern präsentiert. Entsprechend dürften die neuen Berechnungen der Konzerntochter BNEF zur Entwicklung der Produktionskosten von Strom bei Investoren auf offene Ohren stoßen. Denn erstmals ist Photovoltaik, also die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in Elektrizität, kostengünster als fossile Kraftwerke. Das zeigen Zahlen aus Deutschland, China und Indien.

ANZEIGE

Enormer Kostenrückgang seit 2014

BNEF zufolge haben sich die Kosten der Stromerzeugung mit Hilfe von Solarzellen in China in den vergangenen sieben Jahren fast auf ein Fünftel, in Indien sogar auf rund ein Sechstel und in Deutschland immerhin auf etwas mehr als ein Viertel reduziert. Dadurch liegen sie in Deutschland mit durchschnittlich 4,3 Euro-Cent pro Kilowattstunde im Schnitt um rund 35 Prozent unter den durschnittlichen sechs Euro-Cent von Kohle- und Erdgaskraftwerken. Im Reich der Mitte sind Solarzellen knapp ein Euro-Cent kostengünstiger, in Indien liegen seit diesem Jahr mit Kohlemeilern gleich auf. In Sonnenparadiesen wie Saudi-Arabien liegen die Stromgestehungskosten von Photovoltaik-Anlagen sogar schon unter einem Cent pro Kilowattstunde.

Hohe Abhängigkeit von verfügbaren Rohstoffen

Allerdings ist der Kostenvorsprung in Gefahr. Laut BNEF hat sich der Preis für Polysilizium, das Sonnenlicht in Strom verwandelt, seit Mai 2020 verdreifacht, wodurch die Preise für Solarmodule bereits in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres in China um sieben und und in Indien um zehn Prozent gestiegen sind. Allerdings schlug das nicht auf die Kosten der Stromproduktion durch, unter anderem weil die Materialien nicht den größten Teil der Herstellungskosten der Anlagen ausmachen. „Aber wenn dieser Anstieg in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 anhält, könnte dies bedeuten, dass neu gebaute erneuerbare Energien vorübergehend teurer werden – fast zum ersten Mal seit Jahrzehnten“, so BNEF-Chefökonom Seb Henbest.

Mehr: pv magazine