Ökozid
Den Haag soll über Umweltverbrechen verhandeln

Die Umweltinitiative Stop Ecocide will, dass der Internationale Gerichtshof in Den Haag künftig auch über schwere Verbrechen gegen die Natur urteilt, von Juristen auch Ökozid genannt.

Verlassenes Fabrik-Gelände im indischen Bhopal: Tausende von Tote durch Chemieunfall 1984 ( Foto: Julian Nica)

Leichen plastern den Weg der Chemieindustrie durch die vergangenen Jahrzehnte. 1984 staben Tausende von Menschen auf dem Gelände der Chemiefabrik des amerikanisch-indischen Unternehmens Union Carbide im indischen Bophal. Acht Jahre zuvor gelangte durch das Werk es Tochterunternehmens des Schweizer Chemikonzerns Roche im norditalienischen Seweso hochgiftiges Dioxin ins Freie und schädigte hunderte Menschen. Vergleichbare Katastrophen in anderen Branchen sind die Abholzung des Regenwaldes in Brasilien oder die Ölverschmutzungen durch den britisch-niederländischen Multi Shell in Nigeria. Geht es nach der Initiavie Stop Ecocide mit Sitz in den Niederlanden, soll über solche Verbrechen an Mensch und Natur künftig der Internationale Gerichtshof in den Den Haag urteilen, der bisher nur über Verbrechen gegen die Menschlichkeit verhandelt.

ANZEIGE

Beitrag gegen schwere Zerstörung der Umwelt

Für solche Verbrechen gegen die Natur haben sich die Experten um die Juristin Christina Voigt von der Universität Oslo das Wort „Ökozid“ einfallen lassen. Es steht in Anlehnung an „Genozid“ für Völkermord für die Tötung von Mensch und Natur. „Mit der Novellierung des Völkerstrafrechts könnten endlich auch Umweltschäden besonders schweren Grades belangt werden, denn bislang gilt das nur für Umweltzerstörung im Rahmen eines bewaffneten Konflikts“, so die Mitverfasserin der ‚“Ökozid“-Definition. „Unsere Arbeit am Verbrechen des ‚Ökozids‘ ist ein Beitrag dazu, dass auch die schwere Zerstörung der Umwelt nicht ohne rechtliche Konsequenzen bleibt.“

Für Umweltfrevler wird es langsam eng

Der Fall Shell zeigt, dass Gerichte sich schwerer Umweltverbrechen in anderen Ländern durchaus annehmen. So erklärte sich ein Gericht in den niederlanden vor kurzem nicht nur für die Ölverschmutzung des Konzerns in Niegeria zuständig, sondern verdonnerte das Unternehmen gleich auch noch zu Schadenersatz.

Mehr: Spiegel