Ergasleitungen
Undichte Erdgasleitungen fördern Klimawandel

Bei den europäischen Erdgasleitungen wimmelt es nur so von Lecks, fand ein US-amerikanischer Umweltaktivist heraus. Das entweichende Methan ist rund 20-mal so klimaschädlich wie CO2.

Ferngasleitung bei Darmstadt: Mär von der sauberen Energie (Foto: Erkaha)

150 Anlagen zur Erdgasbeförderung hat James Turitto nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten in sieben europäischen Ländern untersucht, mit seiner 100 000 Euro teuren Infrarot-Kamera. Die macht durch die Erkennung von Temperaturunterschieden sichtbar, was das menschliche Auge nicht erkennt. An 120 Stellten, so der Aktivist der US-amerikanischen Umweltorganisation Clean Air Task Force, habe er Lecks in Leitungen gefunden, darunter auch an der Verdichtungsstation in Mallnow in Brandenburg, wo die Erdgas-Pipeline aus Sibieren verläuft. „Bei den kleinen Lecks, da kommt viel zusammen“, so Turrito. „Wenn man bedenkt, dass davon Tausende vorkommen, in ganz Deutschland, ganz Europa, dann summiert sich das.“

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Methan-Emissionen größer als in der Statistik

Die subversive Aktion des Aktivisten ist von Bedeutung, weil Ergas zum größten Teil aus Methan besteht. Nicht nur, dass durch dessen Verbrennung CO2 ensteht, das zur Erderwärmung führt. Auch Methan selbst trägt dazu bei, sogar rund 20-mal so viel wie CO2. Das Gas entsteht zwar auch durch die Verdauung der Rinder, weshalb hoher Fleischkonsum dem Klima schadet. Doch viel Methan entweicht bei der Förderung und beim Transport durch Pipelines, die entgegen der Beteuerungen ihrer Betreiber offenbar alles andere als dicht sind. Wie viel das ist, weiß noch niemand. Für die USA vermuten Wissenschaftler, dass die tatsächlingen Methan-Emissionen rund 60 Prozent über den offiziellen Statistiken liegen. Dabei wird Methan für rund ein Drittel der Erderwärmung verantwortlich gemacht.

Lüge vom sauberen Gas

Der Betreiber der Anlage in Mallnow erklärt zu den Entdeckungen von Umweltaktivist Trutto, er sei sich des Problems bewusst und schätze die Emissionen auf rund 10 Kubikmeter Erdgas pro Stunde. Allerdings erklärt er auch: „Die Emissionen in Mallnow entsprechen betrieblichen Kleinstmengen, stellen keine Störung dar und sind von der Meldepflicht nicht betroffen.“ Constantin Zerger von der Deutschen Umwelthilfe, die Trutto unterstützt, meint hingegen: „Uns geht es darum, dass die Lüge vom sauberen Gas aufhört, dass klar wird, dass es auch hier um einen fossilen Energieträger geht, aus dem wir aussteigen müssen und bei dem wir alle Emissionen abstellen müssen. Was wir dafür brauchen sind unabhängige Messungen und mehr Kontrollen der betroffenen Unternehmen und wir brauchen endlich einen rechtlichen Rahmen, der die Unternehmen zwingt, Reduktionsmaßnahmen zu unternehmen.“

Mehr: Spiegel