Ladestationen für Elektro-Autos
Deutschland angeblich europaweit abgehängt

Nicht nur beim Internet, auch beim Ladenetz für E-Autos ist Deutschland abgeschlagen und liegt in der EU auf Platz 14. Das hat der Autolobby-Verband VDA ausgerechnet. Wertvoller Weckruf oder durchschaubarer Alarmismus?

Kombi-Ladesäule für Elektroautos: Kampf um Steuermilliarden (Foto: Hadhuey)

Das Ranking zeichnet ein düsteres Bild. Gemessen an allen Pkw vom Benziner über den Diesel bis zum Elektroauto gibt es Deutschland eine öffentlich zugängliche Stromladestation pro 1014 Fahrzeuge. Damit landet die größte Industrienation des Kontinents europaweit auf Platz 14, abgeschlagen hinter in den führenden Ländern Niederlande, wo sich 109 Pkw aller Antriebsarten eine Elektrosäule teilen müssen. In Norwegen sind es 147 und in Schweden 353 Pkw. Das hat der Verband der Automobilindustrie (VDA) errechnet. Doch herrscht deshalb Ladenotstand hier zu Lande, wie die Berechnungen suggerieren? Die Antwort deutet darauf hin, dass es der Lobbyorganisation letztlich um die Mobilisierung von Steuergeldern geht, um den Absatz von Elektroautos anzukurbeln, dem sich allen voran Branchenführer Volkswagen verschrieben hat.

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Eine Ladestation für sieben E-Autos, eine Treibstoffzapfsäule für 500 Verbrenner

Der Blick auf die Zahl der herkömmlichen Pkw und Tankstellen zeigt: Derzeit müssen sich rund 3100 konventionelle Pkw eine Benzin- und Dieseltankstelle teilen. Angenommen, jede Station hätte im Schnitt sechs Zapfsäulen, sind es noch 500 Pkw, die um eine Zapfsäule buhlen. Gemessen an den 310 000 Elektro-Autos in Deutschland Anfang dieses Jahres und den vom VDA genannten rund 47 000 öffentlich zugänglichen Ladestationen sind E-Autofahrer demgegenüber in einer privilegierten Situation. Denn sie müssen sich nur zu siebt um eine öffentlich zugängliche Zapfstelle bemühen. Natürlich dauert das Energietanken beim Strom länger und ist das E-Ladestationennetz vermutlich weniger dicht, doch eine Ladestation-Wüste ist Deutschland nicht.

Tesla macht es vor

Das wissen selbstverständlich auch die Lobbyisten vom VDA und sprechen deshalb bei ihren Zahlen von einem „A-Wert“. Das „A“ steht für Attraktivität und meint die Attraktivität des Ladesäulen-Netzes für Autobesitzer, die zaudern, sich ein E-Fahrzeug anzuschaffen. Denn „je mehr öffentliche Ladepunkte es gibt, desto attraktiver ist es für den Verbraucher, auf Elektroantrieb umzusteigen“, so der VDA. Um die Situation möglichst dramatisch zu erscheinen zu lassen, haben die VDAler in ihren Berechnungen so getan, als würde jeder Besitzer eines herkömmlichen Pkw sofort und jetzt elektrisch tanken wollen. Nichts spricht dagegen, dass Energiekonzerne wie EnBW oder Autobauer wie der US-amerikanische E-Autopionier Tesla eigene Ladestationen einrichten und die Fahrern andrer Fabrikate öffnen, um den Absatz der Autos anzukurbeln. Doch das, zeigt das Drängen des VDA gegenüber der Bundesregerierung, würde einiges kosten und soll möglichst vom Staat mitfinanziert werden.

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