Massentourismus
Safaripark statt echter Natur

Indonesiens Regierung setzt auf Massentourismus, um die Wirtschaft anzukurbeln. Zehn, teils gigantische Urlauber-Resorts will sie auf dem Insel-Archipel hochziehen – weitgehend ohne Rücksicht auf Umwelt und Einwohner. Die UN kritisieren die Pläne heftig.

Kuta Beach auf Lombok Systematische Zerstörung vieler Naturreservate Foto: wikimedia

Wo andere Weltregionen nach Konzepten suchen, die Wunden des Massentourismus zu heilen, schlagen die Regierenden in Jakarta den entgegen gesetzten Weg ein. Sie schrecken selbst davor nicht zurück, einige der letzten verbliebenen Komodo-Warane auf der Insel Rinca Island in einem Safari-Park zur Schau zu stellen, anstatt ihren verbliebenen Lebensraum zu schützen.

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Zwangsenteignungen und behördliche Einschüchterungen

Besonders umstritten ist das drei Milliarden-Dollar-Projekt Mandalika Special Economic Zone auf Lombok, vor allem wegen seiner Dimension und der Skrupelosigkeit, mit der Behörden und Investoren es umsetzen. Menschenrechtsexperten der Vereinten Nationen (UN) geißeln das Vorgehen als Zwangsenteignung und massive Bedrohung. „Einwohner werden von ihrem Land ohne Entschädigung vertrieben“, klagt UN-Sonderberichterstatter Olivier De Schutter an. Wer sie weigere zu gehen, den würden Sicherheitsbeamte massiv einschüchtern.,

Illusion vom naturnahen Paradies für Luxusurlauber

Farmer und Fischer raubt das Projekt ihre Lebensgrundlage. „Sie müssen die Zerstörung ihrer Häuser, Felder, Wasserquellen sowie kultureller und religöser Stätten erdulden“, sagt De Schutter. Die Regierung tönt zwar von einer halben Millionen Arbeitsplätze, die im Gegenzug entstehen sollen. Vor allem aber geht es darum, Luxusurlaubern einen abgeschirmten Aufenthalt mit der Illusion zu ermöglichen, dem Paradies ganz nahe zu sein.

Eine Rennstrecke zerschneidet die Landschaft

Unter der finanziellen Führerschaft der Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) sollen auf mehr als 1000 Hektar Luxushotels, hochpreisige Einkaufstempel, Spitzenrestaurants, ein Krankenhaus und eine künstliche Lagune in die noch ursprüngliche Landschaft wachsen. Für eine Rennstrecke, die noch dieses Jahr eröffnen soll, wurden tiefe Schneisen durchs vorher üppige Grün gefräst (siehe Video unten).

Auch wenn die Regierung in Jakarta behauptet, Umweltgesetze einzuhalten: Die UN-Experten halten solchen Größenwahn-Tourismus wie auf Lombok für aus der Zeit gefallen. Das habe mit nachhaltiger Entwicklung nichts zu tun, monieren sie. „Solche Projekte nützen einer Handvoll ökonomischer Akteure, aber nicht der Bevölkerung als Ganzes.“

Selfie-Jäger zertrampeln die Vegetation

Wo der Mensch in Massen auftaucht, leidet die Natur. Seit Millionen Touristen aufbrechen, um in Tennessee, Mexiko, Indien, Thailand oder Portugal Leuchtkäferschwärme zu bewundern, schrumpfen die Bestände der mit Lampen aufgescheuchten Glühwürmchen bedenklich.

Andernorts zertrampeln Besucherscharen ohne Rücksicht Naturschönheiten für ein schnelles Selfie, die neue Art von Trophäensammlung. In Berchtesgaden ist jetzt Schluss für die Vandalen mit Kamera. Das dortige Landratsamt hat den Zugang zum Gumpen am Königsbach-Wasserfall für mindestens fünf Jahre gesperrt. Grund: Tier- und Pflanzenwelt in dem Naturpark brauchen Zeit, um sich vom Massenansturm und seinen Begleiterscheinungen zu erholen: niedergetrampelte Vegetation, Lärm, Müll, illegaler Lagerfeuer.

Mehr: BBC

Im Bau befindliche Rennstrecke Mandalika Ohne Rücksicht auf Verluste