Wohnmobile
Warten auf den Elektroantrieb

Urlaub machen mit dem eigenen Wohnmobil erfreut sich wachsender Beliebtheit. Doch Umweltbewusste finden kaum saubere Modelle auf dem Markt.

Grün durchs Grün Das Angebot an E-Wohnmobilen ist äußerst überschaubar Foto: Dethleffs

Corona beschert der Caravan-Branche einen Zulauf wie seit Jahren nicht mehr. Da ist sich Daniel Onggowinarso sicher, Geschäftsführer des Caravaning Industrieverbands (CIVD). Viele Interessenten schätzten das Reisen in der eigenen fahrbaren Unterkunft wegen der damit verbundenen Autarkie als „sicherste Urlaubsform“.

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Fast 50 000 Wohnmobile neu zugelassen

Vor allem Wohnmobile, also Fahrzeuge mit eigenem Antrieb, sind stark gefragt. Im ersten Halbjahr dieses Jahres meldeten Käufer hier zu Lande rund 48 500 Gefährte neu an – ein Zuwachs um 22.4 Prozent und ein neuer Rekordwert.

Doch wem es wichtig ist, auf seiner Tour die Natur nicht mit Dieselabgasen zu verpesten, hat es schwer, eine elektrische Alternative zu finden. Anders als bei Pkws, wo Angebote und Verkaufszahlen kräftig steigen, tendiert die Auswahl bei den fahrbaren Reiseuntersätzen gegen Null.

Flaute nach erstem Hype

Als der Hersteller Dethleffs 2017 auf der Messe Caravan Salon in Düsseldorf als erster das Konzept eines vollelektrischen Wohnmobils mit auffälligen Solarzellen auf der Außenhaut vorstellte, war die mediale Aufmerksamkeit groß. Seither ist es ruhig geworden um das Segment.

Zu kaufen gibt es E.Home Reisemobil der Allgäuer bis heute nicht. Ein E.Home Wohnwagen hat inzwischen immerhin Prototypenstatus erreicht. Bestellt werden kann indes schon das Modell Iridium des Handelsunternehmens WOF aus dem schwäbischen Weilheim an der Teck (siehe Video). Bei Preisen je nach Ausführung von weit über 150 000 Euro müssen Kunden für ihr grünes Gewissen allerdings sehr tief in die Tasche greifen.

Elektrisch urlauben 400 Kilometer Reichweite Quelle: Iridium

Der Campingbus-Spezialist Reimo hat zwar einmal über eine elektrische Alternative zum Diesel auf Basis des Mercedes Vito nachgedacht. Doch angeboten wird ein solcher grüner Camper bis heute nicht. Bliebe selbst umbauen. Doch davon raten Experten wegen der komplizierten und empfindlichen Elektronik in einem Stromer dringend ab.

Letzte Ausfahrt sind somit Hybrid-Antriebe wie der Globevan von Dethleffs. Wirklich weit kommt man allerdings mit einer Batterieladung nicht. Spätestens nach 50 Kilometer muss der Van mit Ford-Technik an die Steckdose – oder der Benzinmotor übernimmt. Der Grünfaktor ist mehr Schein als Sein.

Von Dieter Dürand