Windkraft
Ein Baustopp für Windkraft in schöner Landschaft verteuert Energie und erhöht die Emissionen

An vielen Orten laufen Bürger Sturm gegen das Aufstellen von Windrädern. Haben sie Erfolg, steigt der Strompreis dort um bis zu sieben Cent pro Kilowattstunde.

Voralpen-Panorama Klimaschutz versus unverstellter Natur Foto: Markus Breig, KIT

Ob an den Alpen, an Nord- und Ostsee oder in vielen Mittelgebirgsregionen – wo immer die Landschaft als besonders attraktiv gilt, möchten Bürgerinitiativen, dass sie nicht durch Windräder „verschandelt“ wird, wie sie es empfinden. Und leisten heftig Widerstand.

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Nun hat noch niemand behauptet, die Anlagen mit ihren mächtigen Rotoren seien eine Zierde. Doch will Deutschland seinen Strom wie angestrebt zu 100 Prozent mithilfe grüner Quellen produzieren, ist ein massiver Zuwachs der Windkraft unerlässlich. Sie trägt heute schon laut Statistischem Bundesamt rund 24 Prozent zur Gesamtbruttostromerzeugung bei – und damit weit mehr als beispielsweise Photovoltaik (PV) oder Biomasse.

Totalverzicht wird teuer

Für Professor Wolf Fichtner vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist klar: „Damit wir unsere Klimaziele erreichen, ist es wichtig, die Windenergie auszubauen und möglichst viel Kohlestrom zu ersetzen.“.

Mit Forschenden aus dem schottischen Aberdeen und Dänemark haben die Badener ausgerechnet, um welchen Betrag ein Totalverzicht auf Windkraft in landschaftlich reizvollen Regionen die örtlichen Strompreise verteuern würden. Für Deutschland flossen mehr als 11 000 Gemeinden in die Betrachtung ein. Das Ergebnis: Die Preise steigen um bis zu sieben Cent je Kilowattstunde (kWh), zudem erhöhen sich die CO2-Emissionen um bis zu 200 Gramm je kWh. Schlecht für Klima wie Geldbeutel.

Solarstrom verursacht höhere Systemintegrationskosten

Wie entstehen die Mehrkosten? Ein Grund ist den Experten zufolge, dass ein großer Zubau an Solarkraftwerken und Bioenergie den Ausfall des Windstroms kompensieren muss. „Bei der Solarenergie entstehen aber höhere Systemintegrationskosten, die für einen Großteil des Aufpreises verantwortlich sind“, erläutert Jann Michael Weinand, einer der Hauptautoren der Studie. Zudem ließe sich die Windenergie für eine lokale Stromerzeugung nur in ganz wenigen Fällen komplett ersetzen. Stattdessen müsse Strom importiert werden. Das führe zu den vergleichsweise hohen CO2-Emissionen.

Erhöht eine Bürgerbeteiligung an den finanziellen Erträgen die Akzeptanz?

Um den Konflikt zwischen Natur- und Umweltschutz zu entspannen, schlägt Heinrich Strößenreuther, Vorsitzender der KlimaUnion, die CDU und CSU nahe steht, im Interview mit Greenspotting vor, die Kommunen über Konzessionsabgaben an den Erträgen der Windanlagen zu beteiligen. Sie könnten mit dem Geld Kindergärten, Freibäder oder Kulturzentren finanzieren. „Dann verbessert sich die Akzeptanz sehr schnell“, ist der Klimaaktivist überzeugt.

Weltweit boomt die Windkraft

Wachstumskritiker wie der Siegener Ökonom Nico Paech schlagen sich hingegen auf die Seite der Windkraftskeptiker und geißeln die „Zerstörung der letzten Naturgüter“. Fraglich nur, wie vielen Windkraftverächtern Paechs Gegenvorschlag schmeckt, jeder Einzelne müsse seine materiellen Ansprüche drastisch reduzieren.

Steht Deutschland derzeit auf der Bremse, boomt die Windenergie weltweit wie nie zuvor. Vergangenes Jahr gingen Anlagen mit einer Leistung von mehr als 90 großen Kohlekraftwerken ans Netz – neuer Rekord.

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