Brasilien
Urwälder im Amazonasbecken stoßen mehr CO2 aus als sie binden

Die Regenwälder des Amazonas emittieren Jahr für Jahr über eine Milliarde Tonnen Kohlenstoff. Das ist mehr als sie aufnehmen. Bislang hatte die Wälder des Amazonasbeckens als grüne Lunge unseres Planeten gegolten.

Flammrodung im Urwald Keine Entlastung durch Amazonas-Wälder (pixundfertig/Pixabay)

Dies ist das Ergebnis einer Studie des brasilianischen Weltrauminstituts INPE (Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais), zu dessen Aufgaben auch Klimaforschung gehört. Nach Ansicht der Studienleiterin Luciana Gatti sind die Ergebnisse alarmierend. „Die erste schlechte Nachricht ist, dass der brennende Wald dreimal mehr CO2 produziert als der Wald absorbiert“, sagte sie dem britischen Guardian. Die zweite schlechte Nachricht sei, dass die Gebiete mit einer Entwaldung von mehr 30 Prozent über zehnmal mehr Kohlenstoff ausstießen als die Gebiete, in denen die Entwaldung 20 Prozent oder weniger betrage.

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Es handele sich dabei um einen selbst verstärkenden Vorgang. Weniger Bäume bedeuteten weniger Regen, aber höhere Temperaturen. Das mache den verbleibenden Wald zunehmend empfänglicher für Brände.

Mercosur unter Beschuss

„Wir brauchen ein weltweites Übereinkommen, um den Amazonas zu retten“, sagte Gatti. Ein großer Teil des Sojas, dass auf den entwaldeten Flächen angebaut wird, geht als Viehfutter in den Export. Auch die gefällten Bäume werden zum großen Teil ausgeführt. Auch deshalb ist das Handelsabkommen zwischen der EU und einigen südamerikanischen Staaten, darunter Brasilien, Mercosur umstritten. Einige EU-Staaten bestehen darauf, dass die Vereinbarung erst dann in Kraft treten kann, wenn Brasilien mehr Anstrengungen gegen die Urwaldzerstörung unternimmt. Brasiliens Regierungschef Jair Bolsonaro hatte sich bislang gegen jede Kritik an seiner Entwaldungspolitik verschlossen. Im vergangenen Jahr hatte die Entwaldung ein Zwölf-Jahreshoch erreicht.

Das Institut nutzte zur Erhebung der Daten kleine Flugzeuge, die in 4 500 Meter Höhe während des vergangenen Jahrzehnts die CO2-Konzentrationen maßen. Die Messungen wiesen nach, dass die Amazonas-Feuer 1 500 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr freisetzten, während das Pflanzenwachstum 500 Millionen Tonnen CO2 band. Die verbleibende eine Milliarde Tonnen entsprechend den jährlichen Treibhaus-Ausstößen Japans.

Mehr: The Guardian