Windkraft auf See
Flaute beim Ausbau der Windkraft auf See

Aufgeschreckt von der Flutkatastrophe bekräftigen die Regierenden, zügig auf grüne Energien umsteigen zu wollen. Die Realität entlarvt die Bekundungen als reichlich substanzlos. Jüngster Beleg: Im ersten Halbjahr 2021 ging auf See kein einziges Windrad neu ans Netz.

Montage eines Rotors in der Nordsee Der Ausbau stockt Foto: Doti/Matthias Ibeler

Windenergie erzeugt den größten Teil an Ökostrom in Deutschland. Doch ihr Ausbau stockt – entgegen allen Lippenbekenntnissen der Politik. 2020 kamen an Land gerade einmal gut 1400 Megawatt (MW) dazu. Um das selbst gesteckte Klimaziel zu erreichen, wären aber 8000 MW notwendig.

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Ausbaulücke zügig schließen

Noch düsterer sind es auf dem Meer aus. Dort dreht sich dieses Jahr noch kein einziges Windrad zusätzlich, obwohl die Brisen über dem Wasser besonders stetig und zuverlässig wehen. Die Offshore-Unternehmen und -Verbände schlagen deshalb Alarm und appellieren an die Politik, die Ausbaulücke schnellsten zu schließen, um das Abwandern der Industrie zu verhindern und die Beschäftigung zu sichern.

Industriepolitischer Impuls notwendig

Die Politik müsse umgehend neue Flächen für Meereswindparks ausweisen und die Ausbauziele kräftig nach oben korrigieren (siehe auch Grafik unten zum aktuellen Stand). Der Strom von der See biete beste Chancen, im Rahmen der grünen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung entsprechende Kapazitäten aufzubauen. Die Branche erwartet einen „zügigen industriepolitischen Impuls“ und „zuverlässige Investitionsbedingungen“.

„In einem zunehmend international ausgerichteten Markt hat Deutschland ansonsten schlechte Karten“, warnt die Offshore-Industrie.

Appell an die G20-Staats- und Regierungschefs

Auch international werde das Potential der Windkraft bei weitem nicht so ausgeschöpft, wie der Klimawandel es gebiete. Das kritisieren 23 Vorstände der globalen Windindustrie in einem offenen Brief an die Staats- und Regierungschef der führenden 20 Industrienationen (G20). Sie sind für 80 Prozent der energiebezogenen weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Zu den Unterzeichnern gehören führende Unternehmen wie Vestas Wind Systems, Siemens Gamesa Renewable Energy, Orsted, SSE, RWE und Mainstream Renewable Power.

Laschet hält an strengen Abstandsregeln fest

Würde das momentane Wachstumstempo beibehalten, bliebe die globale Windenergiekapazität bis 2050 deutlich hinter den für die Kohlenstoffneutralität erforderlichen Mengen zurück, rechnet die Branche vor. Das Installationsdefizit betrüge bis zu 57 Prozent.

In Deutschland sind die Widerstände gegen weitere Windräder vielerorts groß. Weshalb zum Beispiel CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet in Nordrhein-Westfalen, wo er Ministerpräsident ist, an strengen Abstandregeln zu Wohnbebauungen festhält. Im Interview mit Greenspotting hält der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Bertram Brossardt, das für einen Fehler: „Wer für Klimaschutz ist, kann nicht gleichzeitig gegen Stromtrassen und Windräder sein.“

Viel Nord- wenig Ostsee Leistung der deutschen Meereswindparks Quelle: Stiftung Offshore Windenergie

Mehr: Deutsche Windguard