Überfischung
Einigung gegen Überfischung gescheitert – wieder einmal

Gut ein Drittel der Fischbestände in den Weltmeeren sind gefährlich dezimiert. Dennoch konnten sich 128 Mitgliedsländer der Welthandelsorganisation (WTO) erneut nicht auf ein Schutzabkommen einigen, dass den ungebremsten Raubbau stoppt.

Kleiner Fischereihafen
Örtlicher Fischfang Opfer illegaler Praktiken Foto: Peggychoucair on Pixabay

Seit 20 Jahren verhandeln die Regierungen nun schon. Das Ziel: Unfaire und schädliche Subventionen zu beenden, die zu einer bedrohlichen Überfischung der Ozeane geführt haben. Vor allem künstlich verbilligter Treibstoff macht das Auswerfen der Netze vor weit von der Heimat entfernten Küsten für viele Fangflotten erst lukrativ.

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3,3 Milliarden Menschen decken mit Fisch ein Fünftel ihres tierischen Eiweißbedarfs

Opfer dieser Praxis sind neben den Beständen alle Länder, die sich keine Patrouillenboote zur Sicherung ihrer Küstengewässer leisten können. Die Netze der lokalen Fischer bleiben immer öfter leer, weil ihre Fischgründe leer geräubert wurden. Dabei wären Thunfisch und Barsch so wichtig für eine nährstoffreiche Ernährung der heimischen Bevölkerung.

Zwei WTO-Zahlen unterstreichen die Bedeutung des Fischfangs. Rund 39 Millionen Menschen verdienen damit ihren Lebensunterhalt; 3,3 Milliarden Menschen decken mit Fisch ein Fünftel ihres tierischen Eiweißbedarfs.

Kriminelle Plünderung der Ozeane

Längst hat die kriminelle Plünderung der marinen Ökosysteme ein bedrohliches Ausmaß erreicht. Eine weltweite Analyse schätzt, dass jedes Jahr zwischen 7,7 und 14 Millionen Tonnen Fisch undeklariert an den Behörden vorbei gehandelt werden. Dem legalen Fischhandel entgingen so jährlich zwischen 8,9 und 17,2 Milliarden US-Dollar an Einnahmen.

Nun liegt immerhin erstmals ein achtseitiger Entwurf vor, über den die Delegationen im Dezember dieses Jahres weiter verhandeln wollen. Zu den Erfolgsaussichten äußert sich WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala diplomatisch verklausuliert: „Es gibt Lücken, die gefüllt werden und Differenzen, die die Mitglieder überbrücken müssen.“

Auf der Anklagebank sitzt China

Auf der Anklagebank sitzt als ein Hauptübeltäter China. Das Reich der Mitte überweist seiner Fangflotte jedes Jahr 5,9 Milliarden Dollar an schädlichen Subventionen. Japan folgt mit 2,1 Milliarden und die EU mit zwei Milliarden Dollar. Die Londoner Denkfabrik Overseas Development Institute schätzt, dass rund 17 000 chinesische Trawler fern der Heimat die Netze auswerfen.

Absurd genug: Obwohl die Weltmacht China die größte Fischfangflotte betreibt, hat sie sich bei der WTO als Entwicklungsland deklariert und pocht auf daraus resultierende Sonderrechte. Etwa für die Zahlung staatlicher Beihilfen. Im Dezember wird sich zeigen, ob Peking doch noch beidreht.

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Von Dieter Dürand