Elektroauto
Elektroauto: Daimler setzt sich unter Strom

Lange überwog die Abwehrhaltung, nun kann es den deutschen Autoherstellern mit der Umstellung aufs elektrische Fahren gar nicht schnell genug gehen. An die Spitze der Kehrtwende setzt sich Daimler – und will gleich alle Konkurrenten beim Elektroauto überholen.

Edelstromer Mercedes EQS 580 „Wir werden bereit sein“ Foto: Daimler

Der Sinneswandel der Schwaben geht wesentlich auf Vorstandschef Ola Källenius zurück. Der gebürtige Schwede will nicht nur die Negativschlagzeilen des Diesel-Abgasskandals vergessen machen, wo gerade nach Klagen von Verbraucherschützern neues teures Ungemach droht. Er ist inzwischen fest davon überzeugt, dass „die Zukunft elektrisch fährt“ und will dabei mit seinem Konzern „nicht nur mitschwimmen“, sondern die Entwicklung selbst in die Hand nehmen.

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40 Milliarden investieren die Schwaben in Batteriefahrzeuge

Kernpunkt ist der schnelle Abschied von Diesel und Benziner. Schon 2025, also in vier Jahren, kündigt Källenius an, werden alle neuen Fahrzeugarchitekturen rein elektrisch sein Zugleich wollen die Stuttgarter mit Partnern für ihre Marke Mercedes-Benz weltweit acht Giga-Batteriefabriken mit einer Kapazität von mehr als 200 Gigawattstunden bauen.

„Der Wendepunkt rückt näher, und wir werden bereit sein, wenn die Märkte bis zum Ende der Jahrzehnts vollständig auf Elektroautos umstellen“, verkündete Källenius auf einer Investorenkonferenz. Um das Ziel zu erreichen, investieren die Schwaben bis 2030 mehr als 40 Milliarden Euro in ihre Batteriefahrzeuge.

VW und BMW hinken hinterher

Ambitioniertestes Projekt ist die Mercedes-Fernreiselimousine EQXX, die schon nächstes Jahr vorgestellt werden soll und von der Daimler behauptet, sie sei das „effizienteste E-Auto der Welt“. Der Stromer soll nur eine Kilowattstunde auf zehn Kilometer verbrauchen und daher erst nach 1000 Kilometer Fahrstrecke an eine Ladestation müssen.

Mit ihrem Tempovorstoß lassen die Schwaben die heimische Konkurrenz alt aussehen. Volkswagen, die Nummer zwei unter den größten Autobauern der Welt, plant das Verbrenner-Aus frühestens 2033. Hauptkonkurrent im Luxussegment, BMW, drückt sich bisher um ein konkretes Ausstiegsdatum. Konzernchef Oliver Zipse kündigte aber immerhin an, das grünste Elektroauto der Welt bauen zu wollen. Und hat dabei eine hohe Recyclingquote und Grünstrom für die Produktion im Blick.

Kunden und die Politik erzwingen des Systemwechsel

Haben die Autobauer auf einmal ihr Herz für den Klimaschutz entdeckt? Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht es nüchterner. Der wesentliche Anstoß für den Strategiewechsel sei politischer Druck. Auf den großen Absatzmärkten in den USA, China und Europa drängten die Regierungen auf eine drastische Reduzierung der CO2-Emissionen im Verkehr. Da bleibt nur das E-Auto als Alternative.

Oder Wasserstoff. Beide Antriebsarten sind einer aktuellen Studie zufolge die einzige Möglichkeit, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen und eine Überhitzung der Erde zu vermeiden. Die Käufer reagieren: In Europa hat sich der Anteil der Batteriefahrzeuge an allen Neuwagen auf 7,5 Prozent verdoppelt. In Deutschland kurven inzwischen mehr als eine Millionen Steckerfahrzeuge über die Straßen. Der E-Boom ist nicht mehr aufzuhalten.

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