Energiewende
Energiewende: RWE gewinnt immer

Wie es argumentativ gerade passt, sieht sich die RWE-Spitze mal als Opfer und mal als „Motor“ der Energiewende. Die Wendigkeit zahlt sich aus. Gerade erhöhte der Konzern seine Gewinnprognose – der Handel auch mit schmutzigem Kohlestrom floriert.

Abgeschaltetes Steinkohlekraftwerk Ibbenbüren Saftiges Schmerzensgeld vom Staat Foto: RWE

Was dem Aktienkurs hilft, ist für die Umwelt eine schlechte Nachricht. Im Handel mit Strom, Gas, Rohstoffen und CO2-Emissionszertifikaten erzielte RWE im ersten Halbjahr einen operativen Gewinn von 525 Millionen Euro. Eingepreist hatte der Energiekonzern für das Gesamtjahr ursprünglich rund 350 Millionen Euro. Die Essener produzierten in den sechs Monaten vor allem mehr Strom. Das Plus stammt allerdings nicht aus Wind- und Solarkraftwerken, sondern aus der Verfeuerung von Erdgas und der besonders schmutzigen Braunkohle. Die von Finanzvorstand Michael Müller beschworene „grüne Transformation“ tritt also auf der Stelle.

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Entschädigung auf Basis fragwürdiger Berechnungen

Immer wieder schafft es der Essener Energiekonzern auf die Sonnenseite – gesponsort mit Milliarden Euro der Steuerzahler, wie Kritiker ätzen. Auf Grundlage fragwürdiger Berechnungen, schrieb zum Beispiel der Spiegel, blähte etwa Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zuletzt die Entschädigungszahlungen an die Zechenbetreiber für den vorzeitigen Ausstieg aus der Braunkohle auf 4,35 Milliarden Euro auf. 2,6 Milliarden davon fließen an RWE.

Thomas Banning Vorstandsvorsitzender der Naturstrom AG fällt für den hohen Betrag nur „die besondere Sympathie der großen Koalition für die alten Konzerne“ als Erklärung ein.

EU kündigt „gründliche Prüfung“ an

Selbst der EU in Gestalt von Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager ist Altmaiers spendable Haltung nicht geheuer. Sie kündigte eine „gründliche Prüfung“ an. Ihr Verdacht: Die Regierung habe bei der Berechnung mit allzu großzügigen CO2-Preisen und Brennstoff- sowie Folgekosten kalkuliert.

Dabei subventionierte der Steuerzahler die Kohleförderung, solange sie noch genehm war, kräftig mit und trug so zu den meist glänzenden Bilanzen des Essener Energieversorgers nicht unerheblich bei. Legendär ist zum Beispiel der Kohlepfennig. Umgekehrt stellte keine Regierung den Stromriesen die gigantischen Umweltschäden in Rechnung, die Förderung und Verbrennung hinterlassen. Und: Die meisten Kohlekraftwerke sind längst abgeschrieben, Solarzellen erzeugen inzwischen unter günstigen Bedingungen billiger Strom und der CO2-Zertifikatehandel macht Elektrizität auf Basis fossiler Brennstoffe ohnehin zunehmend unwirtschaftlich.

Generös auch beim Atomausstieg

Vergleichbar generös zeigt sich die große Koalition beim Atomausstieg. Hier kassiert RWE 880 Millionen Euro aus dem insgesamt 2,43 Milliarden Euro schweren Entschädigungsfond für Vattenfall, Eon, PreussenElektra & Co. Überdies konnte sich die Branche mit 24 Milliarden Euro vergleichsweise billig von den Entsorgungs- und Endlagerkosten des Atommülls freikaufen. Tatsächlich fallen daür nach Schätzungen allein in den nächsten 80 Jahren Ewigkeitskosten von 169 Milliarden Euro an.

Preisfrage: Wer springt wieder ein? Genau! Der Steuerzahler.

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Von Dieter Dürand