CO2-Zertifikate
CO2-Zertifikate: Emissionshandel wird zur Goldgrube

Gute Nachricht für Finanzminister Olaf Scholz: Die Preise der CO2-Zertifikate steigen und steigen und spülen Milliarden Euro in die Staatskasse. Nicht nur Regierungen profitieren. Ohne Emissionshandel wäre E-Autobauer Tesla weit weg von Profitabilität.

Dreck bringt Kohle Emissionshandel beschert dem deutschen Staat Rekordeinnahme Foto: jplenio auf pixabay

Im ersten Halbjahr brachte die Versteigerung von CO2-Zertifikaten unter anderem an der Leipziger Strombörse eine Rekordeinnahme von annähernd 2,4 Milliarden Euro, berichtet die Deutsche Emissionshandelsstelle. Fast so viel wie im gesamten Vorjahr zusammen kam. Da waren es 2,7 Milliarden Euro. Das Geld speist den Energie- und Klimafonds der Bundesregierung, die daraus Maßnahmen zum Klimaschutz finanziert, zum Beispiel der energetischen Gebäudesanierung.

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Gut für den Staat, schlecht für die Stromkunden

Hauptgrund für das kräftige Einnahmeplus ist die kontinuierliche Verknappung der Verschmutzungsrechte. Das treibt ihren Preis – zuletzt immer schneller. Kostete ein Zertifikat 2020 im Durchschnitt 25 Euro, sprang der Preis im Juni auf mehr als 52 Euro. Investitionen in CO2-arme Energieerzeugungsanlagen werden auf diese Weise immer lohnender – das ist der Sinn des Systems.

Gut fürs Klima, belastend für die Stromkunden. Denn zusammen mit gestiegenen Brennstoffkosten haben die teuren Zertifikate den Stromhandelspreis an der Strombörse auf den höchsten Stand seit 2008 getrieben. Über kurz oder lang müssen sich die Verbraucher auf steigende Tarife für jede Kilowattstunde einstellen.

Teslas geheime Geldmaschine

Und auch beim Tanken und Heizen wird es für sie teurer werden. Im Interview mit Greenspotting kündigt Andreas Jung, umweltpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion an, den Emissionshandel auf europäischer Ebene deutlich ausweiten zu wollen – auf Wärme, Verkehr und Schifffahrt.

Doch nicht nur Staatskassen profitieren vom Emissionshandel. Ohne die milliardenschweren Einnahmen daraus hätte zum Beispiel der US-Autobauer Tesla von Milliardär Elon Musk nicht 2020 erstmals Gewinne melden können. Seine Elektromodelle fahren trotz steigender Verkaufszahlen immer noch Verluste ein. Aber der Zertifikatehandel brachte 1,6 Milliarden Dollar ein und sorgte so unter dem Strich für ein positives Ergebnis.

Als reiner Elektro-Autobauer hat Tesla keine Verwendung für die ihm zustehenden Verschmutzungsrechte und verkauft sie an die Konkurrenz, in den USA vor allem an General Motors und Fiat Chrysler. Die Geldmaschine läuft wie geschmiert. Insgesamt kassierte Tesla laut dem US-Nachrichtensender CNN in fünf Jahren 3,3 Milliarden Dollar.

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