Upcycling
Upcycling: Essstäbchen zu Schreibtischen

Ein Holz-Ingenieur aus dem Allgäu sammelt in Vancouver Essstäbchen ein und fertigt daraus in einer Kleinfabrik hochwertige Regale, Schneidebretter und Schreibtische.

Schneidebrett aus hölzernen Einweg-Essstäbchen Ab in die Küche statt in den Müll Foto: ChopValue

In Nordamerika erhalten Felix Böck und sein Faible für Holz längst breite mediale Aufmerksamkeit. In Talkshows präsentiert der 32-jährige gebürtige Immenstädter seine Idee einer Kreislaufökonomie, die Gebrauchtes höherwertiges neues Leben einhaucht, statt es einfach wegzuwerfen.

Ein Promotions-Stipendium an der University of Columbia verschlug ihn vor einigen Jahren ins kanadische Vancouver an der Pazifikküste. Und als ihm bei Besuchen mit einer Freundin in angesagten asiatischen Restaurants auffiel, wie viele Holz-Stäbchen nach einmaligem Gebrauch achtlos im Müll landeten, kam Böck die Idee, die Verschwendung zu beenden und den kostbaren Rohstoff lieber wiederzuverwenden.

Heute sammelt er in Vancouver Woche für Woche mehr als 350 000 Essstäbchen ein, die die Restaurantbesucher in eigens aufgestellte Boxen werfen. Sie werden gereinigt, geschliffen und zu vielformatigen Holzbretter gepresst, aus denen die Schneidbretter, Handy-Halterungen, Wandfliesen und Bürotische entstehen. In hoher Designqualität, darauf legt Böck Wert. Zu kaufen sind Lifestyle-Produkte ausschließlich über seinen Web-Store ChopValue.

Die Fertigung passiert in einer Minifabrik mit wenigen, aber leistungsstarken Maschinen (siehe Video unten). Um sein Konzept möglichst schnell auszurollen, wirbt der Deutsche um Franchisepartner in aller Welt. Für knapp 400 000 US-Dollar können Neueinsteiger eine vollständig ausgerüstete Produktionsstätte erwerben und loslegen. Zuletzt eröffnete in Las Vegas eine erste US-Microfactory.

Um das Wachstum zu beschleunigen, sammelte Böck im Mai bei Investoren 3,15 Millionen US-Dollar frisches Kapital ein. Nicht nur er sieht die Kreislaufökonomie erst am Anfang eines gewaltigen Aufschwungs stehen. Experten schätzen, dass die ressourcenschonende Wirtschaftsform schon 2030 Umsätze in Höhe von 4,5 Billionen US-Dollar erzielen könnte. Gegenwärtig sind erst neun Prozent dieses Potentials erschlossen.

Aus Altem Neues zu gewinnen, darauf setzen auch zwei Kölner Gründer. Sie stellen aus ausrangierten Airbags und Sicherheitsgurten trendige nachhaltige Rücksäcke her. Inzwischen ist Airpaq eine etablierte Marke mit eigenem Flagship Store im Kölner Szene-Viertel Ehrenfeld, weltweitem Internet-Verkauf und über hundert Verkaufsstellen in sechs europäischen Ländern.

Blick in die Produktion Vom Stäbchen zu einem hochwertigem Möbelstück Quelle: ChopValue

Mehr: Guardian