Grüner Stahl
Erstmals grüner Stahl für Autoindustrie

Der Essener Stahlriese Thyssenkrupp und die NRW-Landesregerierung kündigen an und planen, SSAB handelt. Das schwedische Unternehmen ist das erste, das Stahl ohne Einsatz von Kohle liefert – an Volvo, für dessen Lkw.

Karbonfreier Eisenschwamm made in Sweden: Ausgangsstoff für grünen Stahl (Foto: Hybrit)

CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet versucht mit allen Mitteln, sich als grünen Industrieretter zu inszenieren. Dazu nahm der Ministerpräsident des Stahl-Bundeslandes NRW in das Wahlkampfprogramm seiner Partei extra das Ziel auf, klimaneutralen sogenannten grünen Stahl produzieren zu wollen. Das ist Stahl, der ohne Kohle, sondern mit Wasserstoff erzeugt wird, mithin das Klima nicht schädigt. Obwohl die Absicht dazu weit ins Vorjahr zurückreicht, wurde hier zu Lande noch kein Gramm Stahl produziert, das ein Auto- oder Maschinenbauer regulär für seine Fahrzeuge oder Maschinen verwendet hätte. Das hat jetzt Schweden geschafft. Der dortige Spezialstahlhersteller SSAB aus der Landeshauptstadt Stockholm ist mit dem schwedischen Autokonzern Volvo handelseinig geworden und liefert für dessen Lastwagen erstmals grünen Stahl.

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Inspiration für die übrige Stahlbranche

Die Weltpremiere ist von so großer Bedeutung, weil die Stahlrpoduktion zu acht Prozent zum klimaschädlichen CO2-Ausstoß beiträgt, grob viermal so viel wie der Flugverkehr und fast zweieinhalb mal so viel wie IT und Internet. Dies sei ein „großer Durchbruch für SSAB“, so Martin Lindqvist, Präsident und Vorstandschef des Unternehmens. „Wir hoffen, dass dies andere dazu inspirieren wird, das Tempo der Transformation zu beschleunigen.“ Mit den ersten Lieferungen will Volvo zunächst Prototypen von Komponenten und Fahrzeugen herstellen.

Kommerzielle Produktion in fünf Jahren

Der Durchbruch ist ein Gemeinschaftswerk von SSAB mit dem staatlichen schwedischen Energiekonzern Vattenfall und dem schwedischen Bergbauunternehmen LKAB, das in erste Linie Eisenerz fördert. Die Drei gründeten 2016 das Projekt „Hybrit“, um bei der Stahlherstellung nicht mehr Kohle und Koks, sondern nur noch umweltfreundlich gewonnenen grünen Wasserstoff einzusetzen. Herauskommt dabei sogenannter fossilfreier Stahl oder Wasserstoffstahl. Während Thyssenkrupp in Essen oder der Konkurrent Arcelor mit Sitz in Luxemburg noch forschen und experimentieren, will SSAB 2026 großen Stils in die kommerzielle Produktion grünen Stahls einsteigen.

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